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Unnützes Wissen Berlin

Geschrieben am 27. 03. 2015 von Birgit Warnhold

CurrywurstDie Dinge, die man nicht braucht, sind oft die schönsten: die 20. Handtasche, ein Oldtimer, eine Fahrt mit dem Kettenkarussell. Spätestens seit Ben Schott sein „Sammelsurium“ veröffentlicht hat, weiß man, dass diese Erkenntnis auch für Wissen gilt. Nachdem der Emons Verlag bereits die Städte Köln und München unter die Lupe genommen hatte, sind nun Hamburg und Berlin nach Überflüssigem durchkämmt worden. Da ich in Berlin lebe, geht es hier natürlich um den Band „Unnützes Wissen Berlin“.

„711 erstaunliche Fakten“ verspricht der Band. Erstaunlich daran finde ich zunächst einmal die Zahl. Das erste, was mir dazu einfällt, ist 4711 Echt Kölnisch Wasser, und wie sich auf Nachfrage herausstellt, ist das tatsächlich der Ursprung. Der Emons Verlag sitzt in Köln, wollte ein wenig Lokalbezug herstellen, da aber Unnuetzes-Wissen-Berlin4711 entschieden zu viele Fakten gewesen wären, hat man kurzerhand die 4 gestrichen. Auch so kommt noch genug unnützes Wissen zusammen.

Ich gehöre eigentlich nicht zu den Leuten, die erst mal nach Fehlern suchen, aber die Aussage, dass eine Übernachtung in einem der zehn Fünf-Sterne-Hotels in Berlin im Durchschnitt 2976 Euro kostet, erschien mir dann doch zu hoch gegriffen. Tatsächlich hat sich, wie der Autor bestätigt, hier ein Fehler eingeschlichen. Wenn über Zeitungs- und Bücherrecherche und teilweise Hörensagen 711 kuriose Wahrheiten zusammengetragen werden, kann da auch schon mal etwas schief gehen. Oder in der Herstellung verfälscht werden. Korrigiert wird in der nächsten Auflage, und die Fehler sind Ausnahmen.

“Unnützes Wissen macht Spaß”

Die Regel ist, dass hier Dinge stehen, die einen nicht wirklich weiterbringen, die aber trotzdem – oder gerade deshalb – sehr kurzweilig sind. So wusste ich noch nicht, dass die Berliner Straßenreinigung 14 Hundekotmobile mit Staubsauger-Rüsseln im Einsatz hat und dass es in dieser Stadt Hundewaschanlagen gibt. Neu war mir auch, dass auf dem Mars Gesteinsbrocken mit den Namen „Broken Wall“ und „Maueröffnung“ liegen. Dass in Berlin jährlich 70 Mio. Currywürste gegessen werden, kann man sich ungefähr vorstellen. Weniger bekannt ist möglicherweise, dass es die schärfste Currywurst Berlins bei Curry & Chili in Wedding gibt (Foto) und dass der frühere Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki dort Stammkunde war.

In ihrem Vorwort schreiben die Autoren: „Wissen ist Macht, unnützes Wissen macht Spaß.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

André Stanly, Mirela Stanly: Unnützes Wissen Berlin. 711 erstaunliche Fakten. Emons Verlag, Köln. Mit ca. 80 farbigen Abbildungen. Broschur, 13,5 x 20,5 cm, 192 Seiten, 12,95 Euro. ISBN 978-3-95451-521-9

Museen in Berlin – perfekter Überblick

Geschrieben am 09. 03. 2015 von Birgit Warnhold

Mauer-Panorama„Die 101 besten Museen in Berlin“ nennt die Autorin Julia Brodauf ihren schmalen Band, in dem sie einen so komprimierten wie kompetenten Überblick über die Berliner Museumslandschaft gibt. Der Band ist perfekt für kulturinteressierte Berlin-Besucher, ob nun als Ergänzung zu einem anderen Reiseführer oder als gezielte Lektüre für jene, die es nur auf die Museen in Berlin abgesehen haben.

Julia Brodauf, selbst Künstlerin, ist seit Jahren in der Berliner Welt der Kunst und der Museen unterwegs, und die daraus resultierende Sachkenntnis gibt dem 101-Museenschmalen Band seine Güte. Die Texte sind kurz, aber pointiert, so dass jeder Leser sich einen guten Eindruck verschaffen kann, welche Museen in Berlin ihn am meisten interessieren. Dass die Texte kurz gehalten sind, hält den Band schlank und transportabel.

Inhaltlich ist die Berliner Museumslandschaft in sechs Kapitel gegliedert: Kunst & Kultur, Museumsinsel, Geschichte, Natur & Technik, Regionalmuseen und Besondere Museen. Dass die Museumsinsel als Ausnahme-Ensemble der Museen in Berlin ein extra Kapitel bekommt, gefällt mir genauso gut wie die Tatsache, dass Julia Brodauf auch kleine, weniger spektakuläre Häuser in ihre Sammlung mit aufgenommen hat: das Buchstabenmuseum etwa oder das Elternhaus von Alexander und Wilhelm von Humboldt am Tegeler See.

Praktische Tipps ebnen den Weg in die Museen in Berlin

Natürlich fehlen auch die Orte nicht, die an die Zeit der deutschen Teilung erinnern, zum Beispiel das Mauerpanorama (Foto) unweit des Mauermuseums. Praktische Tipps runden den Band ab.

Julia Brodauf: Die 101 besten Museen in Berlin. Von klassisch bis kultig. via reise verlag, Berlin. 144 Seiten, ca. 120  Fotos, 11,95 Euro. ISBN: 978-3-935029-87-2

Sehenswürdigkeiten Berlin / Potsdam

Geschrieben am 04. 03. 2015 von Birgit Warnhold

Schloss-CharlottenburgJedes Jahr vermeldet Berlin neue Tourismus-Rekorde. Viele der Besucher reisen wiederholt in die deutsche Hauptstadt, aber natürlich gibt es auch ein Menge „Berlin-Anfänger“. Denen würde ich den neu erschienenen „ADAC-Reisebildband Berlin und Potsdam“ in die Hand drücken. Und zwar vor Antritt der Reise. Der Band versammelt die Sehenswürdigkeiten in Berlin und Potsdam – gerade richtig zur Einstimmung und ersten Orientierung.

Der Bildband liefert eine gute Mischung aus großformatigen Fotos und informativen Text-Happen über Sehenswürdigkeiten in Berlin wie Reichstag, Berlin-PotsdamBrandenburger Tor, Gedächtniskirche, Schloss Charlottenburg (Foto) oder Museumsinsel. Ausklappbare Panoramaseiten vermitteln opulente Eindrücke von Gendarmenmarkt oder Regierungsviertel. Potsdam ist u.a. mit Sanssouci, St. Nikolai und dem Holländischen Viertel vertreten.

Über das Naheliegende hinaus gewährt der Bildband Einblicke in den Berliner Siedlungsbau, führt in Bezirke wie Prenzlauer Berg oder Pankow, er erklärt die Karl-Marx-Allee und zeigt, wo Berliner Spaß an der Spree haben. Natürlich fehlt die Currywurst nicht, quasi auch eine Berliner Sehenswürdigkeit, die allen veganen und vegetarischen Berliner Hochburgen zum Trotz immer noch sehr beliebt ist.

Der Band führt auch zu den Ausflugszielen der Berliner

Der Band führt an den Stadtrand und darüber hinaus, wobei ich nicht sicher bin, dass der Spreewald das beliebteste Ausflugsziel der Berliner ist. Aber, keine Frage, er ist ein Ausflugsziel und hat individuellen Charme. Stadtrundgänge, komprimierte Informationen zu Museen und Sammlungen, Tipps zu Sport und Freizeit sowie eine Übersicht zu regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen und eine herausnehmbare Faltkarte in Kurzform runden das Stelldichein der Sehenswürdigkeiten in Berlin und Potsdam ab.

ADAC Reisebildband Berlin und Potsdam. Kunth Verlag, München. 208 Seiten, 23,1 x 29,5 cm, 24,95 Euro. ISBN 978-3-95504-085-7

Schönste Stadt der Welt – Kapstadt

Geschrieben am 26. 02. 2015 von Birgit Warnhold

KapstadtMir hat mal jemand gesagt, die schönsten Städte der Welt seien San Francisco, Sydney, Vancouver und Kapstadt. Für Dieter Losskarn ist die Metropole am Kap die schönste Stadt der Welt, wie er im Vorwort zu seinem Reiseführer „Kapstadt & Kap-Provinz“ unmissverständlich klarstellt. Seit gut 20 Jahren lebt der Autor in seiner Wahlheimat, wobei er betont, dass er sich für Kapstadt entschieden habe, nicht für Südafrika. Kapstadt, so Losskarn, sei Afrika light. Da ist sicher etwas dran.

Auch die Weinregion – „Kap der guten Tropfen“ – hat wenig mit Busch und wilden Tieren zu tun. Sie bildet eins der acht Kapitel, in das der Autor die Kapstadt-ReisefuehrerRegion gegliedert hat. Die anderen sieben sind Kapstadt selbst, der Kap-Halbinsel, der Westküste, den Cederbergen, der Walküste, der Garden Route und der Karoo gewidmet. Dort, in der Karoo oder an der Westküste, kann auf seine Kosten kommen, wer mehr „Afrika-Feeling“ möchte.

Die Stärke dieses Reiseführers liegt in Kapstadt und der Kap-Halbinsel. Im Grunde entspricht die Gewichtung des Bandes der Aussage des Autors, dass er sich für Kapstadt – die schönste Stadt der Welt – und nicht für Südafrika entschieden habe. Vor allem von seinen Kapstadt-Tipps kann jeder Reisende profitieren. Aber auch die anderen Kapitel enthalten gute Anregungen. Allgemeine Reise-Informationen sowie Seiten zu Geschichte, Wirtschaft und Kultur Südafrikas runden den Band ab.

Kapstadt lohnt mehr als nur einen Besuch

Natürlich fehlt auch der Ausflug auf den Tafelberg nicht, der Blick von dort ist einmalig (Foto). Man kann diesen Klotz im Rücken von Kapstadt auf nahezu unzähligen Routen erklimmen. Man kann aber auch die Seilbahn nehmen, eine Option, die ich bei meinem Besuch nicht schlecht fand. Man sollte nur versuchen, möglichst früh da zu sein, um Wartezeiten zu vermeiden. Wandern kann man auch auf dem Berg. In jedem Fall bestätigt mich der Reiseführer in meinem Vorsatz, den Besuch bald zu wiederholen. Vielleicht ist Kapstadt ja wirklich die schönste Stadt der Welt.

Dieter Losskarn: Kapstadt & Kap-Provinz. Mit ungewöhnlichen Entdeckungstouren, persönlichen Lieblingsorten, separater Reisekarte sowie Gratis-Updates zum Download. DuMont-Reise-Taschenbuch.296 Seiten, 17,99 Euro

Reiseführer Berlin für Frauen

Geschrieben am 29. 01. 2015 von Birgit Warnhold

Kaviar-GauchePancakes mit Ahornsirup schmecken erfahrungsgemäß auch Männern, und natürlich könnte man an dem Band „Berlin for Women only“ bemängeln, dass einige Tipps nicht so geschlechtsspezifisch sind, wie es der Titel suggeriert. Sollte man aber nicht, zumal die Zeiten, in denen Frauensolidarität zwangsweise mit Männerfeindlichkeit Hand in Hand ging, glücklicherweise überwunden sind. Berlin-for-womenDavon abgesehen, enthält dieser Reiseführer Berlin für Frauen tatsächlich eine Menge Empfehlungen, die sich dezidiert an Frauen richten, zum Beispiel einen Besuch im Hamam oder einen Abstecher bei dem Mode-Label Kaviar Gauche, das mit seinen Prinzessinnen-Brautkleidern auch bei der Fashion Week punktet (Foto).

So bekannt wie Kaviar Gauche sind bei weitem nicht alle der in dem Band genannten Adressen, und das ist vielleicht das Verblüffendste an diesem Reiseführer Berlin für Frauen: Dass ein Wiener Verlag ein Buch mit so vielen wirklich spannenden Berlin-Tipps herausbringt. Ganz offenbar haben Herausgeberin Nicole Adler sowie Autorin (und Wahlberlinerin) Laura Salm-Reifferscheidt sich Unterstützung bei Szenekennerinnen geholt – was das Buch auch für Berlinerinnen zu einer Fundgrube macht.

Stilbewusstsein prägt diesen Reiseführer Berlin für Frauen

Thematisch geht es um alles, was Frauen mögen: Mode, gutes Essen, Kunst, Kultur, Shoppen, Beauty und Entspannung, auch Ausflüge in die Umgebung und eine kleine – und treffende – „Bezirkskunde“ über die einzelnen Kieze sind zu finden. Darüberhinaus verraten einige Berlinerinnen wie Kunstsammlerin Karen Boros oder Modedesignerin Siggi Spiegelburg ihre persönlichen Tipps. Stilbewusstsein prägt diesen Reiseführer Berlin für Frauen, der sich mit einigen der Empfehlungen auch eher an eine solvente Zielgruppe richtet. Damit könnten auch die hier auftauchenden Anzeigen zusammenhängen, die in Büchern zwar ungewohnt sind, die Originalität der Tipps aber nicht mindern.

Laura Salm-Reifferscheidt: Berlin for Women only“. Hrsg. Von Nicole Adler. Brandstätter Verlag, Wien. 208 Seiten, 150 Bilder (Fotos: Julia Ossko), 22 Euro. ISBN 978-3-85033-803-5

Roman Schatz über Finnland

Geschrieben am 12. 01. 2015 von Birgit Warnhold

Finnland-SaunaSauna und Finnland gehören zusammen. Das wusste ich, nur nicht, in welchem Ausmaß. Es gibt in Finnland fünf Millionen Menschen und zwei Millionen Saunas, eine davon zeigt das Foto. Die Finnen schwitzen wirklich gern. Mehr noch: Generationen von Finnen haben darauf geschworen, in der Sauna ihre Kinder zur Welt zu bringen. Die Sauna ist Lebensraum und Allheilmittel. Wenn sie – und der Schnaps – nicht mehr helfen, muss die Krankheit tödlich sein, sagt ein finnisches Sprichwort. Davon erzählt Roman Schatz, unter anderem.

Roman Schatz ist am Bodensee geboren und vor fast 30 Jahren der Liebe wegen nach Finnland gezogen. Inzwischen könnte er in seiner Wahlheimat der Finnlandbekannteste Deutsche sein. Das liegt an seiner Arbeit als Journalist, Radiomoderator und Schauspieler – und an seinen satirischen Sendungen, die möglicherweise den Ruf des deutschen Humors in Finnland gerettet haben. Für den Piper Verlag hat Roman Schatz eine „Gebrauchsanweisung für Finnland“ geschrieben, und er hat dieses Buch aus der Perspektive desjenigen geschrieben, der sich hervorragend auskennt in seiner Wahlheimat, sich aber das Staunen des Zugewanderten bewahrt hat.

Roman Schatz beginnt mit dem Ursprung der Finnen – den es nicht gibt. Historische Wurzeln sind für dieses Land hoch im Norden nicht eindeutig auszuloten, und vielleicht liegt darin ja der Grund für die finnische Vorliebe für Mythen und Sagen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Finnland zu 70 Prozent aus Wald besteht, traditionell ein guter Platz für Geister aller Art.

Roman Schatz erzählt von „Spezialitäten” und anderen Schrullen

Der Autor erzählt von der Wildnis, vom dunklen Winter, von der Kultur, der Sprache – die z.B elf Wörter für „Bär“ zu bieten hat – und den unterschiedlichen Regionen. Roman Schatz schreibt über die Entwicklung des Landes und das hervorragende Bildungssystem genauso wie über Rentiere und die Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Finnen. Und wenn man dann etwas liest über „Spezielle Spezialitäten“, weiß man: Auch die Globalisierung kann nationalen Schrullen nichts anhaben. Die Lektüre dieses Buches lässt einen mit der Erkenntnis zurück, dass es in Finnland ähnlich eigenwillig und sympathisch zugehen muss wie hinter den sieben Bergen. Und dass man dort unbedingt einmal hin möchte.

Roman Schatz: Gebrauchsanweisung für Finnland. Piper, München. 240 Seiten, 14,99 Euro. ISBN: 978-3-492-27654-2

Rezepte aus aller Welt

Geschrieben am 23. 12. 2014 von Birgit Warnhold

GemueseEigentlich können größere Textmengen mich nicht erschrecken, ich lese gern und viel. Nur bei Kochbüchern erwarte ich offenbar Bilder, der Devise folgend, dass das Auge mit isst. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich den „KulinarischenKulinarische-Atlas Atlas“ der britischen Gastrokritikerin Mina Holland erst einmal habe links liegen lassen. Leider. Ich finde das Buch anregend, auch – oder gerade weil – die Rezepte aus aller Welt, die man hier findet, auf ungewöhnliche Art präsentiert sind.

Ausdrücklich schreibt die Autorin, dass dieses Buch nicht nur für die Küche, sondern auch für den Nachttisch gedacht ist. Mina Holland lebt als Gastrokritikerin und Kulturjounalistin in London – sie beschäftigt sich also mit Essen und Kultur, was zusammen immer ein harmonisches und sinnliches Ganzes ergibt. Ihr Buch ist gespickt mit Zitaten von Proust über Mann bis Peter Mayle. Sie erzählt Geschichten rund ums Essen, und gleichzeitig liefert sie 95 Rezepte aus aller Welt, von denen ich mit Sicherheit einige ausprobieren werde.

Diese Rezepte aus aller Welt lassen Urlaube wieder aufleben

Mina Holland reist in ihrem „Kulinarischen Atlas“ von Frankreich über Spanien, Portugal, Italien, Osteuropa, England, Skandinavien, den Nahen Osten, Asien und Afrika bis nach Amerika, Nord und Süd. Beim Schmökern in diesem Appetit anregenden Reiseführer werden Urlaubserinnerungen wach, die ja immer – wie auch Mina Holland betont – mit der Küche der jeweiligen Region verbunden sind. Und mag der Band die Gerichte auch nicht mit optischer Opulenz ins Bild setzen, so ist er doch mit kleinen Zeichnungen und einem fein abgestimmten Farbkonzept sehr schön gestaltet.

Mina Holland: Der kulinarische Atlas. Eine Reise um die Welt in 95 Rezepten. Übersetzung: Katja Hald, Friedrich Pflüger, Heike Schlatterer, Karin Schuler. Atlantik im Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg. 416 Seiten, 35 Euro. 978-3-455-70004-6

Gipfelbuch mit Murmeltier

Geschrieben am 17. 12. 2014 von Birgit Warnhold

Mont-BlancMeine Welt sind die Berge nicht, jedenfalls nicht so richtig. Ich sehe sie gern, denn ich mag ihre Erhabenheit. Auch laufe ich gern Ski, allerdings lieber unter- als oberhalb der Baumgrenze. Wenn es kahl wird, findet das Auge keinen Halt mehr, anders ausgedrückt: Ich bin nicht frei von Höhenangst. Durch Dominik Prantl weiß ich aber, dass das heilbar ist. Wenn ich es will. Dann könnte ich auch GipfelbuchBergsteigen. Sein „Gipfelbuch“ macht jedenfalls Lust darauf, sich tiefer in diese geheimnisvolle Bergwelt hineinzuwagen.

Dominik Prantl ist für die Berg- und Skithemen bei der Süddeutschen Zeitung zuständig, in deren Edition sein „Gipfelbuch“ erschienen ist, bevor Goldmann es als Taschenbuch herausgegeben hat. Das Buch macht schon von außen Spaß, es sieht zünftig aus, ein bisschen wie von Luis Trenker, nur in Modern. Drinnen ist dann Schluss mit Luis Trenker. Die Einteilung in viele Kapitel und noch mehr kleine Abschnitte kommt der am Internet geschulten Lust auf kleine Happen entgegen. Trotzdem steckt das „Gipfelbuch“ voller Informationen, praktischer wie launiger. Es gibt Querbezüge, sei es nun zu „Asterix bei den Schweizern“ oder Loriots „Jodeldiplom“.

Ein Gipfelbuch mit sachlichen Infos und sinnlicher Qualität

Prantl schreibt im Vorwort, dass er auf gängige Themen wie das Knüpfen von Knoten oder Rettungsmaßnahmen am Gletscher verzichtet habe, weil darüber bereits genug Ratgeber existieren. Er konzentriert sich in seinem „Gipfelbuch“ auf andere Fragen: Wie man Freunde von der Faszination Bergsteigen überzeugt, wie Ötzi so ausgerüstet war, wie man ein Murmeltier verarbeitet oder wie man Enzian brennt. Diese Themen ergänzen das praktische Wissen nicht nur, sie verleihen dem „Gipfelbuch“ eine sinnliche Qualität, zumal Prantl sehr lebendig erzählt. Eine gute Lektüre für Gipfelstürmer oder jene, die es werden wollen. Das Foto zeigt den Mont Blanc, mit dessen Besteigung 1786 die Geschichte des modernen Alpinismus begann.

Dominik Prantl: Gipfelbuch. Goldmann, München. Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 10 s/w Abbildungen, 12,99 Euro. ISBN: 978-3-442-17464-5

Bildband Berlin: Die schönsten Kieze

Geschrieben am 05. 12. 2014 von Birgit Warnhold

ReuterkiezWenn ich jemanden kennen würde, der nach Berlin ziehen will, würde ich ihm sofort dieses Buch schenken: Denn mit diesem Bildband Berlin bekommt man ein Gefühl für die Stadt. Allerdings dürften auch Menschen, die bereits hier leben, eine Menge von dem Band haben, denn er ist informativ, gut geschrieben und enthält viele spannend klingende Adressen.

Der Autor Sebastian Petrich kennt sich ganz offensichtlich gut aus in der Hauptstadt, und zwar in Vergangenheit wie Gegenwart. Auch eingefleischte KiezeBerliner werden hier bisher Unbekanntes erfahren. In 20 Streifzügen hat Petrich die Stadt erkundet und erzählt lebendig von den einzelnen Kiezen. Kollwitzkiez, Savignyplatz, Rosenthaler Vorstadt, die Gegend um den Winterfeldplatz, Boxhagener- und Bergmannkiez sind natürlich dabei, aber auch nicht ganz so bekannte Quartiere wie Reuterkiez (Foto oben) oder Sprengelkiez (Foto unten). Jürgen Henkelmann hat die Stadt für diesen Bildband Berlin neu fotografiert.

Über den Sprengelkiez etwa erfährt man, wie die Mitarbeiter des BND das Viertel verändern, und dass der Wedding immer noch nicht der In-Bezirk geworden ist, zu dem einige ihn schon seit gut zehn Jahren hochreden wollen, was ihn für andere wiederum gerade attraktiv macht. Man erfährt, dass Peer Steinbrück in den Arbeiterbezirk gezogen war, in dem die Sozialdemokratie traditionall einen Stammplatz hat. Ansonsten gibt es im „Hubert“ selbstgebackene Quiches und im „Eschenbräu“ selbstgebrautes Bier und selbstgebrannten Schnaps. Man liest von der industriellen Vergangenheit des Kiezes, der kulturellen Gegenwart und den infrastrukturellen Pläne.

Dieser Bildband Berlin zeigt auch, wie Berlin sich verändert

Die thematische Spannbreite ist eine der Qualitäten dieses Buchs, aus dem man auch ablesen kann, wie die einzelnen Viertel der Stadt sich verändert haben. Im Gegensatz zu manch anderem Bildband Berlin ist dieser etwas für Leute, die gern mehr als kleine Texthappen lesen, denn hier illustrieren die Fotos die Geschichten, nicht umgekehrt.

Sebastian Petrich: Die schönsten Berliner Kieze. Streifzüge durch die Stadt. Mit Fotos von Jürgen Henkelmann. Elsengold Verlag, Berlin. 128 Seiten, ca. 200 Abbildungen, Format 28,6 x 21,6 cm, 19,95 Euro. ISBN 978-3-944594-15-6
Sprengelkiez

Kinder-Kalender 2015: „Alle Welt“

Geschrieben am 03. 12. 2014 von Birgit Warnhold

Alle-Welt-SeptemberIrgendwie ist das Internet zu klein für diesen wunderbaren großformatigen Kalender, der die Welt in die Kinderzimmer bringt und der mehr als verdient den ITB BuchAward 2015 erhält – zusammen mit dem Moritz Verlag, der mit seinem gleichnamigen Kinderatlas „Alle Welt“ die Vorlage lieferte.

Im Format 58,4 mal 48,5 cm führt der Kinder-Kalender Monat für Monat die Welt vor Augen – wobei mit Sicherheit auch Erwachsene gern auf diese Entdeckungsreise gehen, die mit unzähligen Miniaturen einzelne Kontinente Alle-Welt-Kalenderund Länder lebendig macht. Gezeichnet wurden sie von den polnischen Buchgestaltern Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski.

Im Januar entführt der Kinder-Kalender die kleinen Entdecker dorthin, wo es richtig kalt ist und wo Kinder auf Rentierschlitten fahren und Schneehasen und Polarfüchsen begegnen: in die Arktis. Im Februar geht’s nach Russland, das sooooo groß ist, dass es auf gleich zwei Kontinenten liegt. Im März steigen die Temperaturen rapide an: In Brasilien sind Samba-Tänzerinnen genauso zu entdecken wie Dickschnabelkolibris.

Der April zeigt Europa im Überblick – da hat man dann mal die ganze Nachbarschaft auf einen Blick. Im Mai geht’s nach China, das von Eiernudeln bis Drachenbooten sehr, sehr viel zu bieten hat. Der Juni führt nach Afrika, nach Namibia, wo Flamingos, Löffelhunde und Spitzmaulnashörner zu Hause sind. Und weiter geht die Weltreise nach Frankreich, Ägypten, Kanada, Polen, Nepal und Australien.

Ein Kinder-Kalender voller faszinierender Welten

Wie der Atlas „Alle Welt“ lädt auch der Kinder-Kalender auf phantasievolle Weise dazu ein, sich in fremden Welten zu verlieren. Miniatur für Miniatur entdeckt man ständig neue Facetten unserer Welt – etwas Besseres lässt sich über einen Jahresbegleiter eigentlich nicht sagen.

Alle Welt 2015, Fotokunstkalender. DuMont Kalenderverlag, Köln. 58,4 x 48,5 cm. 25 Euro. ISBN 9783832029838