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Berlin-Buch der besonderen Art

Geschrieben am 18. 07. 2014 von Birgit Warnhold

Falkenberg Berlin Buch der besonderen ArtIch weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber ich hätte nicht gewusst, was auf dem Foto zu sehen ist: die Gartenstadt Falkenberg. Weltkulturerbe. Das Ensemble gehört zu einer Bruno-Taut-Siedlung im Südosten Berlins, im Bezirk Treptow-Köpenick. 2008 wurde die Gartenstadt Falkenberg zusammen mit fünf anderen Wohnsiedlungen der Berliner Moderne von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wenn man, so wie ich, in Berlin lebt, hätte man das eigentlich wissen Fakten Berlin Berlin Buch der besonderen Artkönnen. Nein, sagt der Baedeker, „wissen müssen“! „100+1 Fakten. Das muss jeder Berliner wissen“ heißt das kleine Berlin-Buch, das der Verlag gerade herausgebracht hat. Immerhin wusste ich, dass die Museumsinsel (Foto unten) zum Weltkulturerbe gehört.

Vor einem knappen halben Jahr hat Baedeker gewissermaßen den nationalen Vorgänger herausgebracht: „100+1 Fakten. Das muss jeder Deutsche wissen“, nun also das Pflichtprogramm für den Hauptstadt-Bewohner. Verfassung, geographische Lage, Partnerstädte, Wetter, Flüsse und Seen, wilde Tiere in der Stadt, Shoppen, Sport, Kultur, Geschichte – alles da in diesem Berlin-Buch. Auch „Berliner Köpfe“ findet man hier, von Sascha Lobo bis Rolf Eden. Natürlich kann man sich wie bei jedem Ranking über die Auswahl streiten und wohl auch über die Frage, ob das überhaupt sein muss. Aber das Blättern in diesem eigenwilligen Berlin-Buch ist unterhaltsam. Das liegt auch an den gut gemachten Infografiken von Jan Schwochow, aus denen das gesamte Buch im Westentaschenformat besteht.

Auch ein Hipster Starter Kit fehlt in diesem Berlin-Buch nicht

Dass bei der Auswahl auch schmerzliche Themen nicht vermieden wurden, zeigt das Kapitel Großprojekte, das in knapper Sachlichkeit deutlich macht, um wie viel sich Staatsoper, BND-Zentrale, Rückbau des Palasts der Republik, Hauptbahnhof und – unangefochten – der Flughafen BER verteuert haben. Dass der BER hier noch BBI heißt, ist nicht ganz so schön, aber auch wieder nicht so schlimm wie die 710 Prozent Verteuerung, die hier genannt werden. Vielleicht hält man sich dann doch besser an das „Hipster Starter Kit“, das den Abschluss des Buches bildet und eine kleine ironische Anspielung auf den Kleider- und Markenkodex des hippen Berliners ist. Der thematische Bogen ist jedenfalls wirklich weit gespannt.

Baedeker 100+1 Fakten. Das muss jeder Berliner wissen. Verlag Karl Baedeker, Ostfildern. 192 Seiten, 10 Euro. ?ISBN: 978-3-8297-1497-6
Pergamonmuseum Berlin Buch der besonderen Art

Inselhüpfen rund um den Globus

Geschrieben am 04. 07. 2014 von Birgit Warnhold

Aitutaki Inselhüpfen rund um den GlobusDie griechischen Inseln sind berühmt als Dorado für Inselhüpfer. Ein Rucksack, eine Luftmatratze und ein Paar Birkenstock-Sandalen – so machten sich einst ganze Generationen von Abiturienten auf den Weg, die Ägäis und die eigene Freiheit zu erkunden. Die Kykladen und Sporaden sind ein eindrucksvolles Reiseziel, eine „Inselwelt von einzigartiger Schönheit“, wie es in dem frisch erschienenen Bildband „Island Hopping. Die schönsten Inseltouren der Welt“ heißt.

Inselhüpfen war immer schon mehr als nur Urlaub machen. Das Entdecken, Staunen, das Ankommen und das Weiterfahren, das Erfahren im übertragenen wie im Wortsinn gehören naturgegeben zu dieser Art des Reisens. Dabei gewinntIsland Hopping Inselhüpfen rund um den Globus man oft nachhaltige Eindrücke, und der Kunth Verlag zeigt in seinem Bildband, welche das sein können – egal, ob man mit der Fähre, auf dem Kreuzfahrtschiff, der Charteryacht oder dem eigenen Segelboot unterwegs ist.

Zu den Zielen, auf die das Buch Kurs nimmt, gehören die Azoren, die Karibik, die kleinen Sundainseln, West- wie Französisch-Polynesien, die Galapagos-Inseln, Hawaii und natürlich auch europäische Schönheiten wie die Küste Kroatiens, die Balearen, die Kanaren und eben Griechenland. „Island Hopping“ schlägt für das Inselhüpfen in den jeweiligen Regionen bestimmte Routen vor, macht Vorschläge für Exkursionen, zeigt Hot Spots und enthält auch praktische Tipps wie Kontaktadressen für weitere Informationen.

Die Lust aufs Inselhüpfen ist geweckt

Das Band bietet also eine Orientierung für Inselhüpfer und weckt gleichzeitig mit Südseestränden und im Wind sich wiegenden Palmen, mit farbenprächtigen Unterwasser-Aufnahmen, eindrucksvollen Fotos aus der Tierwelt und immer wieder faszinierenden Kulissen vor blauem Meer die Reiselust. Das Foto oben zeigt die Insel Aitutaki in Französisch-Polynesien.

Island Hopping. Die schönsten Inseltouren der Welt. 320 Seiten, Format 26,0 x 33,0 cm, 49,95 Euro. ISBN: 978-3-89944-925-9

Kenntnisreicher Reiseführer Baltikum

Geschrieben am 30. 06. 2014 von Birgit Warnhold

Nidden Kenntnisreicher Reiseführer BaltikumDie Reihe „Gebrauchsanweisung für…“ gibt der Piper Verlag seit vielen Jahren heraus, und die Bücher sind so unterschiedlich wie die Handschriften der jeweiligen Autoren. Ein Highlight der Reihe ist für mich der frisch erschienene Reiseführer Baltikum von Sabine Herre. Die Autorin hat osteuropäische Geschichte studiert, war als Auslandskorrespondentin tätig, verbringt mehrere Monate im Jahr im Baltikum, wo sie auch als Reiseleiterin arbeitet. Sie weiß also, wovon sie schreibt, und auch wie man schreibt. Wer in das Baltikum reisen willGebrauchsanweisung Baltikum Kenntnisreicher Reiseführer Baltikum und ein Gefühl dafür entwickeln möchte, wie diese Region tickt und was sie prägt, der sollte dieses Buch lesen.

Im Gegensatz zu manchen anderen Autoren der Reihe erzählt Sabine Herre weniger von sich selbst und ihrem Verhältnis zu dem Land – bzw. den drei Ländern –, ihr tiefes Interesse offenbart sich vielmehr in ihrer Kenntnis und der Auseinandersetzung mit den Themen, die das Baltikum bewegen: das schwierige Verhältnis zu Russland, die Liebe zur Natur, die auch ein Synonym für die Freiheit ist, die kulturhistorischen Wurzeln, der Glaube und die Bedeutung der EU für das Baltikum. Es ist die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, die hier so spürbar wird: hier Volkslied, da Facebook. Estland etwa hat sich den freien Internetzugang in die Verfassung geschrieben, als würde es dem Zauber noch nicht ganz trauen. Litauen, Lettland und Estland sind Länder im Aufbruch, das macht sie so spannend.

Sommerfrische auf den Spuren von Thomas Mann

Schön sind die Ostseestaaten auch. Sabine Herre erzählt in ihrem Reiseführer Baltikum u.a. von der Kurischen Nehrung zwischen Haff und Ostsee, wo Thomas Mann sein Sommerhaus hatte und wo noch heute Holzhäuser zur Sommerfrische einladen (Foto). Sie erzählt von den vielen Wäldern mit ihren Seen, Pilzen und Beeren, von den kleinen Dingen wie dem Duft abgeernteter Felder oder dem Rosarot der Pfingstrosen in den Gärten. Auch die Hauptstädte lohnen den Besuch: das mittelalterliche Tallinn genauso wie die Jugendstilstadt Riga oder das lebendige barocke Vilnius.

Sabine Herre: Gebrauchsanweisung für das Baltikum. Piper, München. 224 Seiten, Flexcover mit Klappen, 14,99 Euro. ISBN: 978-3-492-27646-7. Als E-Book 11,99 Euro, ISBN: 978-3-492-96628-3

Auch als literarischer Handlungsort eine Berühmtheit: Die Kathedrale Notre Dame in Paris © pa/Harding

Reiseführer Paris für Literaturfreunde

Geschrieben am 23. 06. 2014 von Birgit Warnhold

In Zeiten, in denen schlaglichtartige Rankings weite Teile des Reisebuchmarktes dominieren, fällt der Reiseführer Paris von Hans-Joachim Lotz besonders auf. Der Philologe mit Schwerpunkt Romanische Sprachen verspricht „Eine literarische Entdeckungsreise“ durch die französische Hauptstadt und fördert eine Menge Bezüge zu Tage.

Kenntnisreich entfaltet Lotz in seinem Reiseführer Paris die literarische Topographie der Stadt. In neun Spaziergängen führt er die Leser durch die Seine-Metropole und flankiert diese Spaziergänge mit bekannten und wenigerLiteratur Parisfuehrer Reiseführer Paris für Literaturfreunde bekannten Texten. Das erste Kapitel – „Rund um die Ile de la Cité“ – führt direkt zum „Glöckner von Notre-Dame“, dem berühmten Roman von Victor Hugo, in dem die Kathedrale Notre-Dame (Foto) die Hauptrolle spielt.

Detailreich schildert Lotz die Darstellung des Bauwerks bei Hugo. Er verortet den Roman im literaturhistorischen Kontext, er spricht von der Wirkungsgeschichte, er zitiert relevante Passagen. Und er benennt – von Rabelais bis zur Lyrik – weitere Beispiele für die Bezüge zwischen Notre-Dame und der Literatur. Auch bei den anderen Stationen dieses Spaziergangs – Pont-au-Change oder Pont-Neuf etwa – legt der Autor da, welche Schriftsteller sich von den Bauwerken haben inspirieren lassen.

Die akademische Beschäftigung des Philologen mit dem Thema ist unübersehbar. Nicht jeder Paris-Reisende wird damit etwas anfangen können. Wer aber ein tiefgehendes Interesse an Literatur hat und Kleingedrucktes nicht scheut, kann in diesem Reiseführer Paris interessante Details über die Spuren erfahren, die die Seine-Metropole im Wirken der Schriftsteller hinterlassen hat.

Hans-Joachim Lotz: Paris. Eine literarische Entdeckungsreise. Verlag Lambert Schneider, Darmstadt. 236 Seiten, geb. mit Lesebändchen, 24,90 Euro. ISBN 978-3-650-17241-9

Das kleine Sevedstorp – das Heimatdorf von Astrid Lindgrens Vater – stand Pate für Bullerbü © pa/akg-images

Bullerbü ist überall

Geschrieben am 20. 06. 2014 von Birgit Warnhold

Vor ein paar Jahren war ich mit Freunden in Schweden, wo wir jemanden besuchten, der dort ein kleines Holzhaus hatte. Alles dort war einfach, herzlich und naturverbunden. Gleich hinterm Haus wuchs das Getreide, ein Stückchen weiter fing der Wald an, wo schon die ersten Pilze auf uns warteten. An diese Tage in Schweden musste ich denken, als ich jetzt das Buch „Leben und Bullerbue Bullerbü ist überallKochen wie in Bullerbü“ in die Hände bekam.

Astrid Lindgrens Bücher über die Kinder von Bullerbü waren ein Klassiker meiner Kindheit. Ich habe sie geliebt, die Geschichten von Lisa, Lasse, Bosse, Britta und Inga, Ole und Kerstin. in dem vorliegenden Buch tauchen sie in Zitaten wieder auf, so zum Beispiel: „Im Herbst und Winter ist es dunkel, wenn wir morgens von zu Hause fortgehen, und dunkel, wenn wir nachmittags zurückgehen. Es wäre schrecklich langweilig, den ganzen langen Weg allein im Dunkeln zu gehen, aber da wir zu siebt sind, ist es nur lustig.“ Genau. So war das. Das Foto oben zeigt übrigens das kleine Dorf Sevedstorp, aus dem Astrid Lindgrens Vater stammte und das Pate stand für Bullerbü.

Baiser aus Bullerbü – Diese Rezepte können nicht schlecht sein

Der kleine Band von Sarah Schocke und Lotte Reinhardt, der im Untertitel „Nordische Ideen und Rezepte vom Lande“ verspricht, transportiert eine Menge dieser freundlichen Entspanntheit, die für Skandinavien so typisch ist. Und ein paar Bastelideen und lecker klingende Rezepte – die nach Jahreszeiten geordnet sind, also die saisonal verfügbaren Zutaten berücksichtigen – findet man auch. Den Stachelbeerkuchen mit Baiser habe ich gleich mal ausprobiert – sehr lecker.
Stachelbeer Baiser Bullerbü ist überall

Sarah Schocke / Lotte Reinhardt: Leben und Kochen wie in Bullerbü. Nordische Ideen und Rezepte vom Lande. Kailash Verlag, München. 184 Seiten, 13,5 x 17,5 cm, 50 Abb., 14,99 Euro. ISBN: 978-3-424-63090-9

Terrasse mit Ausblick: Vom Nepenthe schaut man auf die Küste von Monterey © Getty Images

Reisetipps Kalifornien

Geschrieben am 16. 06. 2014 von Birgit Warnhold

An Kalifornien-Reiseführern komme ich schwer vorbei – ich finde, dass der Bundesstaat im Westen der USA ein wunderbares Reiseland ist. Nun haben ihn die Süddeutsche Zeitung und Smart Travelling für ihre gemeinsam herausgegebene Reihe „Eine perfekte Woche in…“ entdeckt und ein paar interessante Reisetipps Kalifornien zusammengestellt.

Wahrscheinlich kann man darüber streiten, ob „Eine perfekte Woche in Kalifornien“ ein Widerspruch in sich ist, weil eine Woche für dieses Land zu wenig ist. Die Herausgeber haben allerdings den Norden inklusive San Francisco Perfekte Woche Kalifornien Reisetipps Kalifornienausgespart, was das Ganze etwas übersichtlicher macht. Ihre Reisetipps Kalifornien konzentrieren sich auf Los Angeles, Santa Barbara, Palm Springs, Big Sur. Dabei schickt der Band – wie für die Reihe typisch – seine Nutzer nicht wortreich auf Lesereise, sondern führt sie ohne Umweg zu möglichen Highlights. Mit vielen Bildern und wenig Text.

Und so funktioniert die Zusammenstellung der Reisetipps Kalifornien denn auch weniger als Ablaufplan für eine Woche, sondern als Kiste voller origineller Tipps für Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten, aus der man sich bedienen kann. Dabei offenbart die Dominanz von Essens-Empfehlungen den Reichtum der kalifornischen Küche, die zum einen gesundheitsbewusst ist (so lange man an der Küste bleibt) und zum anderen von den Einflüssen zahlreicher Nationen lebt.

Essen, wo Orson Welles und Rita Hayworth gepicknickt haben

Ein besonders schöner Küstenabschnitt auf dem ohnehin schönen Highway 1 ist Big Sur, nördlich von Los Angeles und eigentlich schon außerhalb Südkaliforniens. Dort ist u.a. das Restaurant Nepenthe mit dem dazugehörigen Cafe Kavah (Foto) zu finden. Zwar haben Jahrzehnte touristischer Nutzung ihre Spuren hinterlassen, aber das Restaurant bietet einen traumhaften Blick über die Monterey-Küste. Und eine Geschichte hat der Ort auch zu erzählen: Orson Welles und Rita Hayworth haben das Grundstück 1925 erworben, nachdem sie dort gepicknickt hatten und von der Aussicht überwältigt gewesen waren. Eigentlich wollte Welles für seine Rita dort ein Hide Away bauen, doch tatsächlich sind die beiden nie zurückgekehrt. Nach dem Verkauf entstand das Restaurant, dessen Panoramablick die Menschen bis heute fasziniert.

Eine perfekte Woche in Kalifornien. Süddeutsche Zeitung Edition. Klappenbroschur, 240 Seiten, 12,5 x 18,5 cm, 16,90 Euro. ISBN 978-3-86497-185-3

In Grönland wird der Mensch klein © Getty Images

Birgit Lutz’ „Grenzerfahrung Grönland“

Geschrieben am 22. 05. 2014 von Birgit Warnhold

Ein faszinierendes Buch. „Grenzerfahrung Grönland“ heißt der Titel von Birgit Lutz, und im Untertitel nennt die Journalistin ihren Bericht „Mein Expeditionsthriller“. Das ist nicht übertrieben, denn die Überquerung des Inlandeises, zu der Birgit Lutz mit zwei Weggefährten im April 2013 aufbricht, verläuft zum Teil dramatisch. Auch ist das Buch hervorragend geschrieben,Lutz Groenland Birgit Lutz „Grenzerfahrung Grönland“ spannend und dabei so bildhaft, dass diese fast irreale Welt auch für jeden spürbar wird, der – naheliegender Weise – nie dort war.

560 Kilometer auf dem Eis haben die drei vor sich, als sie in Kangerlussuaq im Westen Grönlands aufbrechen. Jeder zieht eine Pulka hinter sich her, auf der alles verstaut ist, was man für einen knappen Monat braucht. Ungefähr 75 Kilogramm muss jeder wie ein Lastesel auf Skiern über das Eis schleppen. Birgit Lutz hat schon einige Expeditionserfahrungen gesammelt, sie kennt die Kälte, die Strapazen – und die unfassbaren Glücksmomente, die so wohl nur in den extremen Regionen der Welt möglich sind, in denen die Zivilisation draußen bleibt. Dem Buch vorangestellt ist die Widmung „Für alle, die verstehen, warum“.

In Grönland ist der Mensch klein

Dazu gehöre ich nicht, denn für mich wäre so eine Tour eine Tortur, wenn ich sie denn überhaupt überleben würde. Aber verstanden habe ich, glaube ich, auch etwas: Dass in Grönland der Mensch klein ist, weil er hier auf seine Existenz zurückgeworfen ist. Dass die Natur die Menschen Demut lehrt, was ich gut finde, zumal das völlig aus der Mode gekommen ist. Dass man Abenteurer eigentlich immer bewundern sollte, weil sie sich über das Mittelmaß erheben und so neue Räume erschließen. Dass Freundschaft, Verlässlichkeit, Solidarität und die Fähigkeit, miteinander von Herzen lachen zu können, unendlich kostbar sind, wusste ich vorher schon, aber Birgit Lutz bestätigt mir das noch einmal.

Birgit Lutz muss erleben, wie es ist, wenn die Chemie nicht stimmt

Die Verbundenheit unter Gleichgesinnten gehört zu den wunderbaren Grunderfahrungen, die Birgit Lutz mit ihren bisherigen Expeditionen verbindet. Ausgerechnet auf der herausfordernden Grönland-Tour muss sie erleben, wie es ist, wenn die Chemie nicht stimmt. Als Leser kann man diese aus dem Ruder laufende Gruppendynamik fühlen, und man spürt genau, dass dieses eisige Binnenklima wesentlich gefährlicher ist als 40 Grad unter Null. Eine spannende Geschichte, die genauso spannend erzählt ist.

Birgit Lutz: Grenzerfahrung Grönland. Mein Expeditionsthriller. btb, München. 384 Seiten, 2 x 16 S. farbiger Bildteil, 19,99 Euro. ISBN: 978-3-442-75412-0

Reiseführer, der mit Kenntnis und Sympathie auf Korsika einstimmt

Geschrieben am 09. 05. 2014 von Birgit Warnhold

Bonifacio Reiseführer, der mit Kenntnis und Sympathie auf Korsika einstimmtSchon als kleines Kind ist Jenny Hoch mit ihren Eltern nach Korsika gereist. Sie liebt die Insel, sie kennt sie im Äußeren wie im Inneren. Sie beschreibt die Rituale, die schon beim Einlaufen mit der Fähre beginnen und die so vertraut sind, dass diese wunderbare Mittelmeerinsel zu einer kleinen zweiten Heimat Gebrauchsanweisung Korsika Reiseführer, der mit Kenntnis und Sympathie auf Korsika einstimmtgeworden ist. Kurzum: Diese Gebrauchsanweisung ist eine der gelungenen, ein Reiseführer, der in einer Mischung aus Informationen und atmosphärischen Schilderungen nicht nur den Kopf, sondern auch Bauch und Herz auf einen Korsika-Urlaub vorbereitet.

31 Jahre, schreibt die Autorin in ihrem Reiseführer, habe es gedauert, bis sie Teil der Gemeinschaft geworden sei, die das kleine Dorf bewohnt, in das sie immer wieder reist. Die Journalistin gehört nicht – das machen ihren Schilderungen deutlich – zu den Reisenden, die meinen, die Einheimischen hätten nur auf sie gewartet. Sie begegnet den Menschen mit Respekt und achtet ihre Zurückhaltung – was sicher die Voraussetzung dafür war, dass sie schließlich aufgenommen wurde.

Reiseführer mit der ersten demokratischen Verfassung Europas

Als Leser kann man viel erfahren von der gut schreibenden Journalistin, die von der schönen und manchmal schroffen Bergwelt dieser Insel – einem Paradies für Wanderer – erzählt, von feinen Sandstränden, von geschwätzigen Frauen, wankenden Männern und stolzen Menschen. Auch von der ersten demokratischen Verfassung Europas, von Napoleon Bonaparte und dem ungebrochenen Freiheitswillen der Korsen handelt der Reiseführer. Das Buch ist unprätentiös und lebendig geschrieben – eine gute Urlaubslektüre. Das Foto zeigt den eindrucksvollen Süden Korsikas mit seinen Kreidefelsen von Bonifacio.

Jenny Hoch: Gebrauchsanweisung für Korsika. Piper, München. 224 Seiten, Flexcover mit Klappen, 14,99 Euro. ISBN: 978-3-492-27640-5. Als E-Book 11,99 Euro, ISBN: 978-3-492-96632-0

Von Yogi Bär zu Yellowstone

Geschrieben am 28. 04. 2014 von Birgit Warnhold

Yellowstone Von Yogi Bär zu YellowstoneYellowstone kannte ich lange, bevor ich zum ersten Mal amerikanischen Boden betreten habe – auch wenn der Nationalpark in der Zeichentrickwelt meiner Kindheit Jellystone hieß. Ich liebte Yogi Bär, die Hauptfigur dieser Serie, die eine grenzenlose Vorliebe für die Picknickkörbe der Parkbesucher hatte und vor allem so liebenswert gemütlich wirkte. Dass Bären gefährlich sein können, war einfachBildband Von Yogi Bär zu Yellowstone unvorstellbar, wenn man erst mal Yogi Bär kennen gelernt hatte. Die Geschichten um diesen Bären hielten sich also nicht an die Grenzen der Realität, in einem aber stimmten sie: Yellowstone, der für Yogi Bärs Jellystone Pate gestanden hatte, ist eine wunderbare Welt.

Gerade hat der Tecklenborg Verlag einen Band herausgebracht, der die eindrucksvolle Natur des Yellowstone mit faszinierenden Fotos und gut geschriebenen Texten abbildet. Der Tier- und Naturfotograf Norbert Rosing hat den Nationalpark in Wyoming oft und zu allen Jahreszeiten besucht. Dementsprechend vielfältig sind die Bilder, die auch zeigen, wie fasziniert der Fotograf von seinem Gegenstand ist.

Yellowstone ist etwas für Menschen, die die Wildnis lieben

Yellowstone wurde 1872 zum ersten Nationalpark der Welt erklärt. Hauptgrund dafür waren die zahlreichen Geysire und heißen Quellen in dieser vulkanischen Erde. Aber auch Seen, Wälder, Schluchten, Wasserfälle, Bären, Bisons und viele andere Tierarten prägen den Charakter des knapp 9000 Quadratkilometer großen Nationalparks. Ein schönes Reiseziel – der Bildband liefert eine gute und informative Einstimmung auf diese wilde und zutiefst natürliche Welt.

Norbert Rosing (Fotos) und Monika Rößiger (Text): Yellowstone. 168 Seiten, 192 lackierte Abbildungen, 1 Übersichtskarte, gebunden, 30 x 27 cm, 38,50 Euro, ISBN 13: 978-3-944327-13-6
Bisons Von Yogi Bär zu Yellowstone

In 80 Fettnäpfchen um die Welt

Geschrieben am 07. 04. 2014 von Birgit Warnhold

Tempel Thailand In 80 Fettnäpfchen um die WeltEs gibt viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen. Dabei steigt die Zahl an Fettnäpfchen noch einmal rapide an, wenn man das eigene Terrain verlässt. Die Autorin Françoise Hauser ist Journalistin mit Reise- und Asien-Schwerpunkt und hat interkulturelle Stolperfallen ins Visier genommen. „In 80 Fettnäpfchen um die Welt“ heißt ihr gerade frisch erschienenes Taschenbuch; Untertitel: „Womit man sich im Ausland so richtig blamiert“.

Ein ergiebiges Terrain für Fettnäpfchen sind Handzeichen

Die Möglichkeiten zur Blamage sind nahezu unerschöpflich und beginnen weit vor den sprachlichen Verfehlungen. Das erste Fettnäpfchen-Terrain sind Handzeichen. Daumen hoch zum Beispiel bedeutet in Deutschland und den USA „Spitze“, „Top“, am Straßenrand erkennt man daran den Tramper, in anderen Ländern aber – Australien etwa – heißt das: Verpiss Dich! In Israel signalisieren Prostituierte am Straßenrand damit ihre Arbeitsbereitschaft.Fettnaepfchen In 80 Fettnäpfchen um die Welt

Auch Küssen ist vermintes Gelände. Was bei uns – Küsschen links, Küsschen rechts – irgendwie lässig wirkt, kann im arabischen Raum als Aufforderung zum Sex interpretiert werden. Wer deswegen schon mal irgendwo rausgeflogen ist – das könnte die Erklärung sein. Auch mit schlüpfrigen Witzen sollten Reisende sparsam umgehen. Die Zote rangiert im Zweifelsfall noch vor dem kolonialen Ausrutscher, so nach dem Motto: Schick hier in Deutsch-Südwestafrika. Eine kleine Schlitzaugen-Maskerade kann man sicher mal veranstalten – so wie Reiner Calmund und seine Frau (Foto unten) –, nur besser nicht in China. Vorsicht auch bei religiösen Fettnäpfchen: Wer sich in Thailand in einen Tempel setzt, sollte unbedingt darauf achten, dass seine Füße niemals Richtung Buddha zeigen (Foto oben).

Die Autorin legt auch eine Typologie des „Globetrottels“ vor

Neben den Fettnäpfchen, die die Autorin hier aufreiht, legt sie auch eine Typologie des „Globetrottels“ vor. Am besten gefällt mir der Gutmensch, der erst mal die entsprechenden Slums ansteuert, um sich mit den Menschen dort zu verbrüdern. Aber auch der Adaptionist, der einheimischer sein will als die Einheimischen, ist herrlich, genauso wie der Safari-Hut, der die Welt als ein einziges Abenteuer-Camp betrachtet – Tennissocke hochgezogen und dann los!

Dass das Buch viele komische Stellen hat, erklärt sich von selbst. Es ist aber auch launig geschrieben und liefert Tipps für Touristen und sicher auch für Geschäftsreisende, wie man Fettnäpfchen umgehen kann.

Françoise Hauser: In 80 Fettnäpfchen um die Welt. Womit man sich im Ausland so richtig blamiert. Piper, München. ISBN: 978-3-492-30368-2, 208 Seiten, 8,99 Euro. Als E-Book 7,49 Euro

Calmund In 80 Fettnäpfchen um die Welt