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Landlust – Reise durch Deutschland

Geschrieben am 21. 08. 2015 von Birgit Warnhold

Hallig-Hooge

Mich hat lange kein Reisebuch mehr so überzeugt wie dieses. Der Kunth Verlag hat für seinen Band „Hinaus aufs Land“ die Republik vom Wattenmeer bis zur Winklmoosalm erkundet und sich auf die Landstriche jenseits der großen Städte konzentriert – das ist wie ein Blick hinter die schillernden Fassaden. Und was man dabei zu sehen bekommt, macht Lust auf Entdeckungstouren. Landlust im wahrsten Sinne des Wortes.

Das beginnt in Nordfriesland, wo Seehunde, Krabben und wortkarge Menschen zu Hause sind. Beim Blick auf Deiche und Leuchttürme meint man die gute Luft Hinaus-aufs-Landfast atmen zu können. Die Reise führt von Schleswig-Holstein aus durch die Lüneburger Heide, die östliche Ostseeregion, durch Spreewald, Harz, Eichsfeld, Emsland und Münsterland ins Weserbergland, wo der Rattenfänger von Hameln zu Hause war.

„Hinaus aufs Land“ informiert nicht nur über Entstehung und Charakteristika der einzelnen Landschaften, sondern erzählt auch kleine Anekdoten, beschreibt Brauchtum, Handwerk, Tierwelt, gibt konkrete Ausflugstipps, enthält eine Menge Adressen und verrät Rezepte regionaler Spezialitäten, die die Landlust durchaus noch steigern können. In Ostwestfalen-Lippe etwa gibt es Pickerts. Meine Großmutter hat diese Mischung aus Pfann- und Reibekuchen immer gemacht, und noch niemals zuvor hatte jemand außerhalb meiner Familie davon gehört. Jetzt habe ich den Beweis: Es gibt sie doch. Und ein Rezept habe ich nun auch.

In 26 Kapiteln der Landlust verschrieben

Sauerland und Siegerland, Westerwald, Moseltal, Taunus und die Weinstraße setzen weitere Wegmarken bis zum Chiemgau: 26 Kapitel sind es insgesamt, in denen die ländlichen Schönheiten Deutschlands beschrieben werden. Schon das Durchschmökern weckt die Lust aufs Land, auch offenbaren sich die Unterschiede zwischen den Regionen so schön. Der reich bebilderte und ausgesprochen informative Band ist eine sprudelnde Inspirationsquelle für kleine oder größere Fluchten. Das Foto oben zeigt die Hallig Hooge, das untere die Winklmoosalm.

Hinaus aufs Land. Entdecken, wo Deutschland zu Hause ist. Kunth Verlag, München. 522 Seiten, Format 18,5 x 26,6 cm, 24,95 Euro. ISBN 978-3-95504-128-1

Winklmoosalm

Der Freischwimmer und der Club der Visionäre

Berlin-Führer zum Schmökern

Geschrieben am 20. 07. 2015 von Birgit Warnhold

Schon wieder ein Berlin-Führer. Oh Mann, fragt sich selbst der interessierte Leser, kann da noch was Neues kommen? Es gibt Berlin-Führer in allen Nuancen, und damit meine ich nicht die gängigen Polyglotts. Auch jenseits des Mainstream ist viel geschrieben worden.

Es gibt einen Style-Guide Berlin, es gibt Unnützes Wissen über die Stadt. Man findet treffende Kiez-Porträts genau so wie 111 Orte, die man gesehen haben muss. Konsumfreudigen wird ein Shopping-Guide für Individualisten geboten, auch Vintage-Fans ist ein Bändchen gewidmet. Selbstverständlich gibt es einen Berlin-Führer speziell für Frauen, und wer wissen will, was nachts in den Berliner Taxen los ist, erfährt auch dies. Man kann Fakten nachlesen, die man als Berliner kennen sollte, selbst die Wahrheit über Berlin wird gelüftet. Wer daraufhin ein gutes Bier braucht, erfährt alles über die Craft Beer Szene der Hauptstadt, und wer dann irgendwann genug hat vom Berlin-Hype, bekommt Ausflugstipps ins Berliner Umland. Und das sind nur einige von den Büchern, die ich kenne.

Nun also ein „Fettnäpfchenführer Berlin“. Rike Wolf hat ihn geschrieben, laut Klappentext „Herzblut-Großstädterin“, die bereits mehrere Bücher verfasst hat,Berlin-Reiseknigge darunter auch einen Roman über ihre Lieblingsmetropole Berlin. Und ja: Sie hat tatsächlich etwas geschrieben, das sich von anderem unterscheidet.

Sie bettet ihre Berlin-Tipps in Geschichten über die Hauptstadt ein. Ihre eigenen Erfahrungen – ob nun erfunden oder real – werden zur Folie für diesen Berlin-Führer, in dem man gut schmökern kann. Auch enthalten ihre lebendig und gut geschriebenen Texte so ganz nebenbei eine Menge Informationen über Berlin. Insgesamt vermittelt dieser Band Wissen über die Stadt, praktische Empfehlungen und – alles andere als selbstverständlich – ein Gefühl für Berlin. Wer sich die Zeit nimmt, das Buch zu lesen, wird wahrscheinlich besser in die Stadt eintauchen können als jemand, der sich auf die gängigen Top Ten beschränkt.

Berlin-Führer mit guten Tipps für Berlins bunte Gastronomie

Nur die Sache mit den Fettnäpfchen habe ich eigentlich nicht verstanden. Vielleicht ist das einfach dem Umstand geschuldet, dass der Verlag eine ganze Reihe von Reisebüchern unter diesem Motto herausbringt. Ich glaube, abgesehen davon, dass man in Berlin keine Promis anstarren sollte, gibt es hier gar keine Fettnäpfchen. Das ist bis heute das Charakteristikum der Stadt: Dass hier jeder nach seiner Façon selig werden kann, wie der Alte Fritz 1740 gesagt hat. Das Foto zeigt übrigens den Freischwimmer und den Club der Visionäre in Treptow, zwei Beispiele für Berlins bunte Gastronomie.

Rike Wolf: Fettnäpfchenführer Berlin. Der Reiseknigge für 96 Kieze und ihre Spleens. Stadt-Edition. Conbooks, Meerbusch. 288 Seiten, 11,95 Euro. ISBN 978-3-943176-98-8

Die Ha-Long-Bay in Thailand

50 besondere Paddeltouren

Geschrieben am 06. 07. 2015 von Birgit Warnhold

Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein. Ob der vorliegende Band tatsächlich die 50 „besten Paddeltouren zwischen Alaska und Italien“ vorstellt, ist unter Experten möglicherweise Ansichtssache. Die Fotos allerdings und die kenntnisreichen Texte dazu zeigen eindrucksstark die Faszination dieser Touren im Herzen oft unberührter Natur. Vielleicht enthält der Band ja wirklich, was der Titel verspricht: „50 Places to Paddle before You Die“.

Das Foto oben zeigt die Halong-Bucht in Vietnam. Ihre Kalksteinsäulen formen eine Meereslandschaft, die man so kein zweites Mal auf der Welt findet. Berühmt wurde die Bucht im Golf von Tonkin, weil hier Szenen für den James-Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht wurden. Nötig hat dieser Fleck Erde die cineastischen Weihen nicht, die Schönheit der Natur spricht für sich. Und da Hunderte von Inseln die Wellen des Meeres brechen, ist das Wasser meist wunderbar glatt. Eine Paddeltour also auch für Anfänger, was man nicht von jeder der vorgestellten Routen sagen kann (s. Fotos unten).

Die Texte geben gute Hinweise darauf, was die Paddeltouren ihren Teilnehmern abverlangen. Überzeugend wirkt, dass die einzelnen Touren von ortskundigen Autoren geschrieben sind, die offenbar wissen, wovon sie reden. Was die Texte auch verraten: Paddeln kann Passion sein. Ein Blick auf die Fotos lässt auch sporadische Hobbypaddler wie mich ahnen, warum. Praktische Tipps zu Anreise, Veranstalter und Unterkunft schließen die Kapitel ab.

Touren für Paddler, Taucher, Radfahrer und Skiläufer

National Geographic hat inzwischen eine kleine Reihe „50 Places to …“ herausgebracht. Neben der Ausgabe für Paddler gibt es auch jeweils eine für Taucher, Skifahrer und Radfahrer. Auch hier sind einige spektakuläre Touren dabei, für die man schon eine gewisse Abenteuerlust braucht.

50 Places To Paddle Before You Die. Die besten Paddeltouren zwischen Alaska und Italien, hrsg. von Chris Santella. National Geographic Deutschland, Hamburg. 224 Seiten, Klappenbroschur, 24,99 Euro. ISBN: 978-3-86690-431-6

Kleine Fluchten ins Berliner Umland

Geschrieben am 23. 06. 2015 von Birgit Warnhold

Madlitzer-SeeBerlin war, wie der Schriftsteller Reinhard Lettau einmal gesagt hat, die einzige Stadt, die überall von Osten umgeben war. Das ist lange her, und seitdem hat sich sehr viel verändert.

Zum Beispiel findet, wer ins Berliner Umland reist, viele Herren- oder Gutshäuser, die in den vergangenen Jahren liebevoll saniert und zum Hotel oder Restaurant umgebaut worden sind. Wer dem Großstadttrubel Berlins entfliehen möchte, kann in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern wunderbare Berliner-UmlandPlätze für seine kleinen Fluchten entdecken. Der Reiseführer „Berliner Umland“ aus der Reihe „Eine perfekte Woche…“ von Süddeutscher Zeitung und Smart Travelling kommt da gerade recht.

Mehr als 30 Adressen zu Restaurants, gemütlichen Cafés, Hofläden, großen und kleinen Hotels sowie besondere Ausflugstipps versammelt der Band, der geographisch in vier Kapitel gegliedert ist: Ruppiner Seenland, Auf dem Weg nach Mecklenburg-Vorpommern, Seenland Oder-Spree sowie Havelland, Fläming und Spreewald. Der Begriff Umland wird hier also durchaus großzügig verwendet, denn bis in den Spreewald fährt man von Berlin aus mit dem Auto etwa eineinhalb Stunden.

Im Spreewald findet sich denn auch ein Ziel für kleine Fluchten, das schon ziemlich bekannt ist: Das Hotel Zur Bleiche in Burg. Ein schönes Haus mit Spa, Garten, gutem Restaurant und mitten im Spreewald. Leider ist es in den vergangenen Jahren recht teuer geworden, aber vielleicht stellt eins der Arrangements ja eine bezahlbare Alternative dar.

Auch wer sich auskennt, entdeckt hier Neues

Spannender finde ich weniger Bekanntes wie „Die Insl“ in Kyritz (Ruppiner Seenland). Ein beliebtes Ausflugsziel ist die 1,3 Hektar große Insel im Untersee schon seit 100 Jahren, doch seit Kurzem wird sie von drei jungen Berlinern bewirtschaftet, die die „Insl“ als Gesamtkonzept betrachten: Im Restaurant werden unkomplizierte Gerichte wie Bio-Burger oder Flammkuchen serviert, auf der großen Wiese gibt es übergroße Schaukeln, Tischtennisplatten und manchmal ein paar musikalische Klänge. Übernachten kann man hier noch nicht, doch das könnte sich ändern.

Fazit: Wer das Berliner Umland kennt, findet trotzdem viele Anregungen, und wer es nicht kennt, kann interessantes Neuland entdecken, das auch kulinarisch etwas zu bieten hat. Das Foto zeigt den Madlitzer See in Briesen, an dessen Ufer das Gut Klostermühle zu Entspannung, Wellness und zum Essen einlädt.

Eine perfekte Woche … Berliner Umland. Süddeutsche Zeitung Edition/Smart Travelling. Klappenbroschur, 240 Seiten, Format: 12,5 x 18,5 cm, 16,90 Euro. ISBN 978-3-86497-285-0

Mit einem Taxi durch Berlin

Geschrieben am 22. 05. 2015 von Birgit Warnhold

TaxiIst von Taxi und Berlin die Rede, denken die meisten Menschen an ihre Erlebnisse mit Berliner Taxifahrern – in puncto Weltanschauung kann man da manchmal durchaus dazu lernen. Es gibt aber auch die andere Perspektive, und die kann sehr unterhaltsam sein, wie man nach der Lektüre von Sascha Bors’ Buch „Gestern Nacht im Taxi“ weiß.

Sascha Bors ist gebürtiger Stuttgarter, Jahrgang 1981. 2007 ist er nach Berlin gekommen, seit 2008 arbeitet er als Taxifahrer in unserer hippen Hauptstadt.TaxiCover Außerdem ist Bors Autor und Blogger (gestern-nacht-im-taxi.de). Liest man sein Buch, weiß man, warum: Der Mann ist ein Geschichtenerzähler. Ich habe eine Freundin, die auch so ist, und eine ihrer Lebensweisheiten lautet: Jede Geschichte ist so gut, wie man sie erzählt. Wen kümmert da die absolute Wahrheit.

Sascha Bors ist dank seines Berufes, das kann man sicher sagen, nichts Menschliches fremd. Fröhlichkeit, Traurigkeit, Verliebtheit, Einsamkeit, Großzügigkeit, Kleinlichkeit – hier gibt es alles. Eine größere Rolle spielt der Alkohol, was angesichts der Tatsache, dass der Autor die feierfreudigen Touristen nachts mit seinem Taxi durch Berlin kutschiert, nicht erstaunlich ist. Dank des lakonischen Erzähltons sind die Schilderungen menschlicher, nun ja, Grenzerfahrungen, herrlich zu lesen.

Man schmökert sich durch das Buch, wie man einen leichten, süffigen Wein trinkt – und ist versucht, bei der nächsten anstehenden Taxifahrt Sascha Bors anzupiepen. Mal sehen, welche Geschichte dabei herauskäme.

Sascha Bors: Gestern Nacht im Taxi. Skurrile Geschichten eines Taxifahrers. Emons Verlag, Köln. Broschur, 224 Seiten, 12,95 Euro. ISBN 978-3-95451-497-7

Craft Beer Berlin

Geschrieben am 24. 04. 2015 von Birgit Warnhold

Craft-BeerIch hätte nie gedacht, dass Bier mir so sympathisch sein kann. Peter Korneffels Buch „Biermanufakturen in Berlin“ enthält eine Menge Informationen über Bier und Braukunst, vor allem aber erzählt der Autor in 22 Brauereiporträts individuelle Geschichten über Menschen, die sich mit Leib und Seele ihrer Mission verschrieben haben: Leckeres Bier handwerklich sauber zu brauen. Wer etwas über Craft Beer in Berlin wissen möchte, erfährt es hier.

Eigentlich würde man erwarten, dass nur gelernte Brauer eine Biermanufaktur betreiben, aber weit gefehlt: Vom Kunstmaler über den Sozialarbeiter bis zum Bier-ManufakturenHausbesetzer ist alles vertreten, und alle eint der Traum vom richtig guten Bier. Wie immer, wenn Menschen für eine Sache brennen, macht sie das grundsympathisch.

Dass die Manufakturen den Prinzipien alter Handwerkskunst und Nachhaltigkeit wesentlich näher kommen als industrielle Fertigung, macht einen Großteil ihrer Attraktivität aus. Und dass Berlin, das El Dorado der Experimentierfreudigen, an der Spitze der deutschen Craft Bier-Bewegung steht, wundert sicher niemanden.

Zu den porträtierten Brauereien gehören Heidenpeters in der Markthalle Neun, das Brauhaus Südstern, die Privatbrauerei Am Rollberg, die Hausbrauerei Hops & Barley im Boxhagener Kiez, die Brauerei Zukunft am Ostkreuz, die Pfefferbräu Bergbrauerei in Prenzlauer Berg oder BrewBaker in Moabit. Bier in schönster Reinkultur.

Alles andere als simpler Gerstensaft: Craft Beer Berlin

Neben den nach Bezirken geordneten Brauereiporträts enthält der Band Informationen zur Braugeschichte in Berlin und eine Auflistung hauptstädtischer Biergärten. Das Buch ist eine Fundgrube für jeden, der den originellen Berliner Biergenuss sucht oder einfach etwas erfahren möchte über Craft Beer Berlin. Und es zeigt endgültig, dass Bier alles andere als ein simpler Gerstensaft ist.

Peter Korneffel: Biermanufakturen in Berlin. Nicolai Verlag, Berlin. 208 Seiten, 13 x 19,5 cm, 90 farbige Abbildungen, Übersichtskarte, 18,95 Euro. ISBN 978-3-89479-921-2

Vintage in Berlin für Entdecker

Geschrieben am 10. 04. 2015 von Birgit Warnhold

RAW-FlohmarktAls Kind habe ich es geliebt, auf dem Dachboden zu stöbern. Dort hingen in großen Schränken die ausrangierten Kleider meiner Mutter und für Achtjährige, die Prinzessin spielen wollten, gab es keinen besseren Platz. Daran musste ich denken, als ich in dem kleinen Band „Vintage in Berlin“ geblättert habe, den tip, Vintagezitty und der Raufeld Verlag als ersten Teil einer neuen Pocket-Guide-Serie „Berlins Beste“ herausgegeben haben.

In Berlin waren Flohmärkte schon immer extrem gut besucht. Die Geschichten, die alte Dinge erzählen, und die Einzigartigkeit, die sich oft mit ihnen verbindet, verleihen ihnen einen eigenen Reiz. Außerdem sind sie oft einfach besser gefertigt als neuere Produkte. Und seit der Nachhaltigkeitsgedanke der Wegwerfmentalität den Kampf angesagt hat, spielt Vintage in Berlin eine immer größere Rolle.

151 Adressen wurden für das Buch zusammengetragen. Geordnet ist der Band übersichtlich nach Themenfeldern: Mode, Wohnen, Fahrräder/Bücher/Musik, Flohmärkte – das Foto zeigt den RAW-Flohmarkt –, Kinder und Service. Im Service-Teil sind u.a. Reparaturwerkstätten zu finden, ob nun für Möbel, Kameras oder Puppen, also jene Art von Helfern, die man manchmal verzweifelt sucht.

Der Band zeigt Vintage Berlin in allen Facetten

Vor allem aber ist das kleine Buch eine herrliche Fundgrube für alle Vintage-Fans, die hier eine exzellente Übersicht über das Angebot in Berlin finden. Dabei ermöglichen die Kurzporträts der einzelnen Läden eine gezielte Suche, zum Beispiel im Bereich Mode: Will man Glamour, Glitzer und Pailletten, wird man bei Bonnie & Kleid fündig, Class of Berlin ist ein Fall für Rock ‚n’ Roller und Fräulein Anders hat sich auf Damenmode der fünfziger Jahre spezialisiert. Natürlich kann man auch einfach nur stöbern. Wie auf dem Dachboden.

Berlins Beste: Vintage in Berlin. Raufeld Verlag, Berlin. 164 Seiten, 11,8 x 16,5 cm, 6,90 Euro. Erhältlich am Kiosk, im Buchhandel sowie online unter zitty.de/shop sowie tip-berlin.de/shop. ISBN-Nummer: 978-3-9817054-1-6

Unnützes Wissen Berlin

Geschrieben am 27. 03. 2015 von Birgit Warnhold

CurrywurstDie Dinge, die man nicht braucht, sind oft die schönsten: die 20. Handtasche, ein Oldtimer, eine Fahrt mit dem Kettenkarussell. Spätestens seit Ben Schott sein „Sammelsurium“ veröffentlicht hat, weiß man, dass diese Erkenntnis auch für Wissen gilt. Nachdem der Emons Verlag bereits die Städte Köln und München unter die Lupe genommen hatte, sind nun Hamburg und Berlin nach Überflüssigem durchkämmt worden. Da ich in Berlin lebe, geht es hier natürlich um den Band „Unnützes Wissen Berlin“.

„711 erstaunliche Fakten“ verspricht der Band. Erstaunlich daran finde ich zunächst einmal die Zahl. Das erste, was mir dazu einfällt, ist 4711 Echt Kölnisch Wasser, und wie sich auf Nachfrage herausstellt, ist das tatsächlich der Ursprung. Der Emons Verlag sitzt in Köln, wollte ein wenig Lokalbezug herstellen, da aber Unnuetzes-Wissen-Berlin4711 entschieden zu viele Fakten gewesen wären, hat man kurzerhand die 4 gestrichen. Auch so kommt noch genug unnützes Wissen zusammen.

Ich gehöre eigentlich nicht zu den Leuten, die erst mal nach Fehlern suchen, aber die Aussage, dass eine Übernachtung in einem der zehn Fünf-Sterne-Hotels in Berlin im Durchschnitt 2976 Euro kostet, erschien mir dann doch zu hoch gegriffen. Tatsächlich hat sich, wie der Autor bestätigt, hier ein Fehler eingeschlichen. Wenn über Zeitungs- und Bücherrecherche und teilweise Hörensagen 711 kuriose Wahrheiten zusammengetragen werden, kann da auch schon mal etwas schief gehen. Oder in der Herstellung verfälscht werden. Korrigiert wird in der nächsten Auflage, und die Fehler sind Ausnahmen.

“Unnützes Wissen macht Spaß”

Die Regel ist, dass hier Dinge stehen, die einen nicht wirklich weiterbringen, die aber trotzdem – oder gerade deshalb – kurzweilig sind. So wusste ich noch nicht, dass die Berliner Straßenreinigung 14 Hundekotmobile mit Staubsauger-Rüsseln im Einsatz hat und dass es in dieser Stadt Hundewaschanlagen gibt. Neu war mir auch, dass auf dem Mars Gesteinsbrocken mit den Namen „Broken Wall“ und „Maueröffnung“ liegen. Dass in Berlin jährlich 70 Mio. Currywürste gegessen werden, kann man sich ungefähr vorstellen. Weniger bekannt ist möglicherweise, dass es die schärfste Currywurst Berlins bei Curry & Chili in Wedding gibt (Foto) und dass der frühere Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki dort Stammkunde war.

In ihrem Vorwort schreiben die Autoren: „Wissen ist Macht, unnützes Wissen macht Spaß.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

André Stanly, Mirela Stanly: Unnützes Wissen Berlin. 711 erstaunliche Fakten. Emons Verlag, Köln. Mit ca. 80 farbigen Abbildungen. Broschur, 13,5 x 20,5 cm, 192 Seiten, 12,95 Euro. ISBN 978-3-95451-521-9

Museen in Berlin – perfekter Überblick

Geschrieben am 09. 03. 2015 von Birgit Warnhold

Mauer-Panorama„Die 101 besten Museen in Berlin“ nennt die Autorin Julia Brodauf ihren schmalen Band, in dem sie einen so komprimierten wie kompetenten Überblick über die Berliner Museumslandschaft gibt. Der Band ist perfekt für kulturinteressierte Berlin-Besucher, ob nun als Ergänzung zu einem anderen Reiseführer oder als gezielte Lektüre für jene, die es nur auf die Museen in Berlin abgesehen haben.

Julia Brodauf, selbst Künstlerin, ist seit Jahren in der Berliner Welt der Kunst und der Museen unterwegs, und die daraus resultierende Sachkenntnis gibt dem 101-Museenschmalen Band seine Güte. Die Texte sind kurz, aber pointiert, so dass jeder Leser sich einen guten Eindruck verschaffen kann, welche Museen in Berlin ihn am meisten interessieren. Dass die Texte kurz gehalten sind, hält den Band schlank und transportabel.

Inhaltlich ist die Berliner Museumslandschaft in sechs Kapitel gegliedert: Kunst & Kultur, Museumsinsel, Geschichte, Natur & Technik, Regionalmuseen und Besondere Museen. Dass die Museumsinsel als Ausnahme-Ensemble der Museen in Berlin ein extra Kapitel bekommt, gefällt mir genauso gut wie die Tatsache, dass Julia Brodauf auch kleine, weniger spektakuläre Häuser in ihre Sammlung mit aufgenommen hat: das Buchstabenmuseum etwa oder das Elternhaus von Alexander und Wilhelm von Humboldt am Tegeler See.

Praktische Tipps ebnen den Weg in die Museen in Berlin

Natürlich fehlen auch die Orte nicht, die an die Zeit der deutschen Teilung erinnern, zum Beispiel das Mauerpanorama (Foto) unweit des Mauermuseums. Praktische Tipps runden den Band ab.

Julia Brodauf: Die 101 besten Museen in Berlin. Von klassisch bis kultig. via reise verlag, Berlin. 144 Seiten, ca. 120  Fotos, 11,95 Euro. ISBN: 978-3-935029-87-2

Sehenswürdigkeiten Berlin / Potsdam

Geschrieben am 04. 03. 2015 von Birgit Warnhold

Schloss-CharlottenburgJedes Jahr vermeldet Berlin neue Tourismus-Rekorde. Viele der Besucher reisen wiederholt in die deutsche Hauptstadt, aber natürlich gibt es auch ein Menge „Berlin-Anfänger“. Denen würde ich den neu erschienenen „ADAC-Reisebildband Berlin und Potsdam“ in die Hand drücken. Und zwar vor Antritt der Reise. Der Band versammelt die Sehenswürdigkeiten in Berlin und Potsdam – gerade richtig zur Einstimmung und ersten Orientierung.

Der Bildband liefert eine gute Mischung aus großformatigen Fotos und informativen Text-Happen über Sehenswürdigkeiten in Berlin wie Reichstag, Berlin-PotsdamBrandenburger Tor, Gedächtniskirche, Schloss Charlottenburg (Foto) oder Museumsinsel. Ausklappbare Panoramaseiten vermitteln opulente Eindrücke von Gendarmenmarkt oder Regierungsviertel. Potsdam ist u.a. mit Sanssouci, St. Nikolai und dem Holländischen Viertel vertreten.

Über das Naheliegende hinaus gewährt der Bildband Einblicke in den Berliner Siedlungsbau, führt in Bezirke wie Prenzlauer Berg oder Pankow, er erklärt die Karl-Marx-Allee und zeigt, wo Berliner Spaß an der Spree haben. Natürlich fehlt die Currywurst nicht, quasi auch eine Berliner Sehenswürdigkeit, die allen veganen und vegetarischen Berliner Hochburgen zum Trotz immer noch sehr beliebt ist.

Der Band führt auch zu den Ausflugszielen der Berliner

Der Band führt an den Stadtrand und darüber hinaus, wobei ich nicht sicher bin, dass der Spreewald das beliebteste Ausflugsziel der Berliner ist. Aber, keine Frage, er ist ein Ausflugsziel und hat individuellen Charme. Stadtrundgänge, komprimierte Informationen zu Museen und Sammlungen, Tipps zu Sport und Freizeit sowie eine Übersicht zu regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen und eine herausnehmbare Faltkarte in Kurzform runden das Stelldichein der Sehenswürdigkeiten in Berlin und Potsdam ab.

ADAC Reisebildband Berlin und Potsdam. Kunth Verlag, München. 208 Seiten, 23,1 x 29,5 cm, 24,95 Euro. ISBN 978-3-95504-085-7