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Reiseführer Berlin für Frauen

Geschrieben am 29. 01. 2015 von Birgit Warnhold

Kaviar-GauchePancakes mit Ahornsirup schmecken erfahrungsgemäß auch Männern, und natürlich könnte man an dem Band „Berlin for Women only“ bemängeln, dass einige Tipps nicht so geschlechtsspezifisch sind, wie es der Titel suggeriert. Sollte man aber nicht, zumal die Zeiten, in denen Frauensolidarität zwangsweise mit Männerfeindlichkeit Hand in Hand ging, glücklicherweise überwunden sind. Berlin-for-womenDavon abgesehen, enthält dieser Reiseführer Berlin für Frauen tatsächlich eine Menge Empfehlungen, die sich dezidiert an Frauen richten, zum Beispiel einen Besuch im Hamam oder einen Abstecher bei dem Mode-Label Kaviar Gauche, das mit seinen Prinzessinnen-Brautkleidern auch bei der Fashion Week punktet (Foto).

So bekannt wie Kaviar Gauche sind bei weitem nicht alle der in dem Band genannten Adressen, und das ist vielleicht das Verblüffendste an diesem Reiseführer Berlin für Frauen: Dass ein Wiener Verlag ein Buch mit so vielen wirklich spannenden Berlin-Tipps herausbringt. Ganz offenbar haben Herausgeberin Nicole Adler sowie Autorin (und Wahlberlinerin) Laura Salm-Reifferscheidt sich Unterstützung bei Szenekennerinnen geholt – was das Buch auch für Berlinerinnen zu einer Fundgrube macht.

Stilbewusstsein prägt diesen Reiseführer Berlin für Frauen

Thematisch geht es um alles, was Frauen mögen: Mode, gutes Essen, Kunst, Kultur, Shoppen, Beauty und Entspannung, auch Ausflüge in die Umgebung und eine kleine – und treffende – „Bezirkskunde“ über die einzelnen Kieze sind zu finden. Darüberhinaus verraten einige Berlinerinnen wie Kunstsammlerin Karen Boros oder Modedesignerin Siggi Spiegelburg ihre persönlichen Tipps. Stilbewusstsein prägt diesen Reiseführer Berlin für Frauen, der sich mit einigen der Empfehlungen auch eher an eine solvente Zielgruppe richtet. Damit könnten auch die hier auftauchenden Anzeigen zusammenhängen, die in Büchern zwar ungewohnt sind, die Originalität der Tipps aber nicht mindern.

Laura Salm-Reifferscheidt: Berlin for Women only“. Hrsg. Von Nicole Adler. Brandstätter Verlag, Wien. 208 Seiten, 150 Bilder (Fotos: Julia Ossko), 22 Euro. ISBN 978-3-85033-803-5

Roman Schatz über Finnland

Geschrieben am 12. 01. 2015 von Birgit Warnhold

Finnland-SaunaSauna und Finnland gehören zusammen. Das wusste ich, nur nicht, in welchem Ausmaß. Es gibt in Finnland fünf Millionen Menschen und zwei Millionen Saunas, eine davon zeigt das Foto. Die Finnen schwitzen wirklich gern. Mehr noch: Generationen von Finnen haben darauf geschworen, in der Sauna ihre Kinder zur Welt zu bringen. Die Sauna ist Lebensraum und Allheilmittel. Wenn sie – und der Schnaps – nicht mehr helfen, muss die Krankheit tödlich sein, sagt ein finnisches Sprichwort. Davon erzählt Roman Schatz, unter anderem.

Roman Schatz ist am Bodensee geboren und vor fast 30 Jahren der Liebe wegen nach Finnland gezogen. Inzwischen könnte er in seiner Wahlheimat der Finnlandbekannteste Deutsche sein. Das liegt an seiner Arbeit als Journalist, Radiomoderator und Schauspieler – und an seinen satirischen Sendungen, die möglicherweise den Ruf des deutschen Humors in Finnland gerettet haben. Für den Piper Verlag hat Roman Schatz eine „Gebrauchsanweisung für Finnland“ geschrieben, und er hat dieses Buch aus der Perspektive desjenigen geschrieben, der sich hervorragend auskennt in seiner Wahlheimat, sich aber das Staunen des Zugewanderten bewahrt hat.

Roman Schatz beginnt mit dem Ursprung der Finnen – den es nicht gibt. Historische Wurzeln sind für dieses Land hoch im Norden nicht eindeutig auszuloten, und vielleicht liegt darin ja der Grund für die finnische Vorliebe für Mythen und Sagen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Finnland zu 70 Prozent aus Wald besteht, traditionell ein guter Platz für Geister aller Art.

Roman Schatz erzählt von „Spezialitäten” und anderen Schrullen

Der Autor erzählt von der Wildnis, vom dunklen Winter, von der Kultur, der Sprache – die z.B elf Wörter für „Bär“ zu bieten hat – und den unterschiedlichen Regionen. Roman Schatz schreibt über die Entwicklung des Landes und das hervorragende Bildungssystem genauso wie über Rentiere und die Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Finnen. Und wenn man dann etwas liest über „Spezielle Spezialitäten“, weiß man: Auch die Globalisierung kann nationalen Schrullen nichts anhaben. Die Lektüre dieses Buches lässt einen mit der Erkenntnis zurück, dass es in Finnland ähnlich eigenwillig und sympathisch zugehen muss wie hinter den sieben Bergen. Und dass man dort unbedingt einmal hin möchte.

Roman Schatz: Gebrauchsanweisung für Finnland. Piper, München. 240 Seiten, 14,99 Euro. ISBN: 978-3-492-27654-2

Rezepte aus aller Welt

Geschrieben am 23. 12. 2014 von Birgit Warnhold

GemueseEigentlich können größere Textmengen mich nicht erschrecken, ich lese gern und viel. Nur bei Kochbüchern erwarte ich offenbar Bilder, der Devise folgend, dass das Auge mit isst. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich den „KulinarischenKulinarische-Atlas Atlas“ der britischen Gastrokritikerin Mina Holland erst einmal habe links liegen lassen. Leider. Ich finde das Buch anregend, auch – oder gerade weil – die Rezepte aus aller Welt, die man hier findet, auf ungewöhnliche Art präsentiert sind.

Ausdrücklich schreibt die Autorin, dass dieses Buch nicht nur für die Küche, sondern auch für den Nachttisch gedacht ist. Mina Holland lebt als Gastrokritikerin und Kulturjounalistin in London – sie beschäftigt sich also mit Essen und Kultur, was zusammen immer ein harmonisches und sinnliches Ganzes ergibt. Ihr Buch ist gespickt mit Zitaten von Proust über Mann bis Peter Mayle. Sie erzählt Geschichten rund ums Essen, und gleichzeitig liefert sie 95 Rezepte aus aller Welt, von denen ich mit Sicherheit einige ausprobieren werde.

Diese Rezepte aus aller Welt lassen Urlaube wieder aufleben

Mina Holland reist in ihrem „Kulinarischen Atlas“ von Frankreich über Spanien, Portugal, Italien, Osteuropa, England, Skandinavien, den Nahen Osten, Asien und Afrika bis nach Amerika, Nord und Süd. Beim Schmökern in diesem Appetit anregenden Reiseführer werden Urlaubserinnerungen wach, die ja immer – wie auch Mina Holland betont – mit der Küche der jeweiligen Region verbunden sind. Und mag der Band die Gerichte auch nicht mit optischer Opulenz ins Bild setzen, so ist er doch mit kleinen Zeichnungen und einem fein abgestimmten Farbkonzept sehr schön gestaltet.

Mina Holland: Der kulinarische Atlas. Eine Reise um die Welt in 95 Rezepten. Übersetzung: Katja Hald, Friedrich Pflüger, Heike Schlatterer, Karin Schuler. Atlantik im Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg. 416 Seiten, 35 Euro. 978-3-455-70004-6

Gipfelbuch mit Murmeltier

Geschrieben am 17. 12. 2014 von Birgit Warnhold

Mont-BlancMeine Welt sind die Berge nicht, jedenfalls nicht so richtig. Ich sehe sie gern, denn ich mag ihre Erhabenheit. Auch laufe ich gern Ski, allerdings lieber unter- als oberhalb der Baumgrenze. Wenn es kahl wird, findet das Auge keinen Halt mehr, anders ausgedrückt: Ich bin nicht frei von Höhenangst. Durch Dominik Prantl weiß ich aber, dass das heilbar ist. Wenn ich es will. Dann könnte ich auch GipfelbuchBergsteigen. Sein „Gipfelbuch“ macht jedenfalls Lust darauf, sich tiefer in diese geheimnisvolle Bergwelt hineinzuwagen.

Dominik Prantl ist für die Berg- und Skithemen bei der Süddeutschen Zeitung zuständig, in deren Edition sein „Gipfelbuch“ erschienen ist, bevor Goldmann es als Taschenbuch herausgegeben hat. Das Buch macht schon von außen Spaß, es sieht zünftig aus, ein bisschen wie von Luis Trenker, nur in Modern. Drinnen ist dann Schluss mit Luis Trenker. Die Einteilung in viele Kapitel und noch mehr kleine Abschnitte kommt der am Internet geschulten Lust auf kleine Happen entgegen. Trotzdem steckt das „Gipfelbuch“ voller Informationen, praktischer wie launiger. Es gibt Querbezüge, sei es nun zu „Asterix bei den Schweizern“ oder Loriots „Jodeldiplom“.

Ein Gipfelbuch mit sachlichen Infos und sinnlicher Qualität

Prantl schreibt im Vorwort, dass er auf gängige Themen wie das Knüpfen von Knoten oder Rettungsmaßnahmen am Gletscher verzichtet habe, weil darüber bereits genug Ratgeber existieren. Er konzentriert sich in seinem „Gipfelbuch“ auf andere Fragen: Wie man Freunde von der Faszination Bergsteigen überzeugt, wie Ötzi so ausgerüstet war, wie man ein Murmeltier verarbeitet oder wie man Enzian brennt. Diese Themen ergänzen das praktische Wissen nicht nur, sie verleihen dem „Gipfelbuch“ eine sinnliche Qualität, zumal Prantl sehr lebendig erzählt. Eine gute Lektüre für Gipfelstürmer oder jene, die es werden wollen. Das Foto zeigt den Mont Blanc, mit dessen Besteigung 1786 die Geschichte des modernen Alpinismus begann.

Dominik Prantl: Gipfelbuch. Goldmann, München. Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 10 s/w Abbildungen, 12,99 Euro. ISBN: 978-3-442-17464-5

Bildband Berlin: Die schönsten Kieze

Geschrieben am 05. 12. 2014 von Birgit Warnhold

ReuterkiezWenn ich jemanden kennen würde, der nach Berlin ziehen will, würde ich ihm sofort dieses Buch schenken: Denn mit diesem Bildband Berlin bekommt man ein Gefühl für die Stadt. Allerdings dürften auch Menschen, die bereits hier leben, eine Menge von dem Band haben, denn er ist informativ, gut geschrieben und enthält viele spannend klingende Adressen.

Der Autor Sebastian Petrich kennt sich ganz offensichtlich gut aus in der Hauptstadt, und zwar in Vergangenheit wie Gegenwart. Auch eingefleischte KiezeBerliner werden hier bisher Unbekanntes erfahren. In 20 Streifzügen hat Petrich die Stadt erkundet und erzählt lebendig von den einzelnen Kiezen. Kollwitzkiez, Savignyplatz, Rosenthaler Vorstadt, die Gegend um den Winterfeldplatz, Boxhagener- und Bergmannkiez sind natürlich dabei, aber auch nicht ganz so bekannte Quartiere wie Reuterkiez (Foto oben) oder Sprengelkiez (Foto unten). Jürgen Henkelmann hat die Stadt für diesen Bildband Berlin neu fotografiert.

Über den Sprengelkiez etwa erfährt man, wie die Mitarbeiter des BND das Viertel verändern, und dass der Wedding immer noch nicht der In-Bezirk geworden ist, zu dem einige ihn schon seit gut zehn Jahren hochreden wollen, was ihn für andere wiederum gerade attraktiv macht. Man erfährt, dass Peer Steinbrück in den Arbeiterbezirk gezogen war, in dem die Sozialdemokratie traditionall einen Stammplatz hat. Ansonsten gibt es im „Hubert“ selbstgebackene Quiches und im „Eschenbräu“ selbstgebrautes Bier und selbstgebrannten Schnaps. Man liest von der industriellen Vergangenheit des Kiezes, der kulturellen Gegenwart und den infrastrukturellen Pläne.

Dieser Bildband Berlin zeigt auch, wie Berlin sich verändert

Die thematische Spannbreite ist eine der Qualitäten dieses Buchs, aus dem man auch ablesen kann, wie die einzelnen Viertel der Stadt sich verändert haben. Im Gegensatz zu manch anderem Bildband Berlin ist dieser etwas für Leute, die gern mehr als kleine Texthappen lesen, denn hier illustrieren die Fotos die Geschichten, nicht umgekehrt.

Sebastian Petrich: Die schönsten Berliner Kieze. Streifzüge durch die Stadt. Mit Fotos von Jürgen Henkelmann. Elsengold Verlag, Berlin. 128 Seiten, ca. 200 Abbildungen, Format 28,6 x 21,6 cm, 19,95 Euro. ISBN 978-3-944594-15-6
Sprengelkiez

Kinder-Kalender 2015: „Alle Welt“

Geschrieben am 03. 12. 2014 von Birgit Warnhold

Alle-Welt-SeptemberIrgendwie ist das Internet zu klein für diesen wunderbaren großformatigen Kalender, der die Welt in die Kinderzimmer bringt und der mehr als verdient den ITB BuchAward 2015 erhält – zusammen mit dem Moritz Verlag, der mit seinem gleichnamigen Kinderatlas „Alle Welt“ die Vorlage lieferte.

Im Format 58,4 mal 48,5 cm führt der Kinder-Kalender Monat für Monat die Welt vor Augen – wobei mit Sicherheit auch Erwachsene gern auf diese Entdeckungsreise gehen, die mit unzähligen Miniaturen einzelne Kontinente Alle-Welt-Kalenderund Länder lebendig macht. Gezeichnet wurden sie von den polnischen Buchgestaltern Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski.

Im Januar entführt der Kinder-Kalender die kleinen Entdecker dorthin, wo es richtig kalt ist und wo Kinder auf Rentierschlitten fahren und Schneehasen und Polarfüchsen begegnen: in die Arktis. Im Februar geht’s nach Russland, das sooooo groß ist, dass es auf gleich zwei Kontinenten liegt. Im März steigen die Temperaturen rapide an: In Brasilien sind Samba-Tänzerinnen genauso zu entdecken wie Dickschnabelkolibris.

Der April zeigt Europa im Überblick – da hat man dann mal die ganze Nachbarschaft auf einen Blick. Im Mai geht’s nach China, das von Eiernudeln bis Drachenbooten sehr, sehr viel zu bieten hat. Der Juni führt nach Afrika, nach Namibia, wo Flamingos, Löffelhunde und Spitzmaulnashörner zu Hause sind. Und weiter geht die Weltreise nach Frankreich, Ägypten, Kanada, Polen, Nepal und Australien.

Ein Kinder-Kalender voller faszinierender Welten

Wie der Atlas „Alle Welt“ lädt auch der Kinder-Kalender auf phantasievolle Weise dazu ein, sich in fremden Welten zu verlieren. Miniatur für Miniatur entdeckt man ständig neue Facetten unserer Welt – etwas Besseres lässt sich über einen Jahresbegleiter eigentlich nicht sagen.

Alle Welt 2015, Fotokunstkalender. DuMont Kalenderverlag, Köln. 58,4 x 48,5 cm. 25 Euro. ISBN 9783832029838

Bildband Berlin deutsch/englisch

Geschrieben am 01. 12. 2014 von Birgit Warnhold

Cafe-PfoertnerDieser Bildband Berlin hat seine Wurzeln im Internet: Cee Cee Berlin ist ein Best of des gleichnamigen Blogs. Dabei ist schon das Vorwort von Angelika Taschen eine so einladende und lebendige Visitenkarte für die Stadt und dieses Buch, dass man Cee_Cee_Berlin_Cover.jpgam liebsten gleich das nächste Restaurant, den nächsten kleinen Laden ausprobieren möchte.

Die Macher, Sven Hausherr und Nina Trippel, pflegen den Blog mit einem kleinen Team von Autoren und Fotografen, und so nett, wie das klingt, liest es sich auch. Blog wie Buch wirken sehr persönlich, die gut 200 Tipps, die dieser Bildband Berlin enthält, sind so individuell wie die Menschen, die hier schreiben. Das macht das Buch vielfältig und glaubwürdig. Das Foto oben zeigt einen alten Linienbus, den das Café Pförtner in Wedding zur Lounge umgestaltet hat.

Über diesen Bildband freuen sich Berliner wie Besucher

Sympathisch finde ich auch, dass man nicht mit dem Hipness-Faktor erschlagen wird, sondern dass die Tipps mal cool, mal klassisch oder vielleicht auch beides sind. Ein treffendes Kaleidoskop der Stadt, das man Berlinern genauso schenken kann wie Besuchern der Stadt. Übrigens auch ausländischen, denn das Buch ist deutsch- und englischsprachig. Dass es schön fotografiert und gestaltet ist und darüber hinaus die Stadt auch in doppelseitigen Ansichten zeigt, macht die Sache rund.

Sven Hausherr, Nina Trippel: Cee Cee Berlin. Distanz, Berlin. 288 Seiten, 400 Abb., Format 20 x 27 cm, 29,90 Euro, ISBN 978-3-95476-069-5

Schöne Urlaubsziele 2015 – Lonely Planet gibt Tipps

Geschrieben am 31. 10. 2014 von Birgit Warnhold

SingapurJedes Jahr sagt Lonely Planet, wo es lang geht. Der Band „Best in travel“ stellt die Top Ten unter den Ländern, den Regionen und den Städten dieser Erde vor. Gerade ist die neue Ausgabe erschienen, die schöne Urlaubsziele für 2015 empfiehlt. Wie bei jedem Ranking kann man sich über die Auswahl streiten, und wie bei jedem Ranking schaut man trotzdem interessiert hin. Ich bin mir sicher, dass Menschen, die gern reisen, hier manche Anregung finden. Erstmals in diesem Jahr sogar auf Deutsch.

Eins der Kriterien war bei vielen Zielen eine Jahreszahl. Singapur zum Beispiel – der Stadtstaat führt das Länder-Ranking an – wird im kommenden Jahr 50 (das Foto oben zeigt die zum Neujahrsfest geschmückte Marina Bay in Singapur). Die Best-in-TravelHalbinsel Gallipoli in der Türkei, die bei den schönsten Regionen auf Platz 1 gesetzt wurde, gedenkt 2015 der Invasion durch die Entente-Mächte vor einhundert Jahren. Washington schließlich, der Sieger unter den Städten, wird sich 2015 mit gebührendem Pathos an den großen Präsidenten Abraham Lincoln erinnern, der vor 150 Jahren von einem Attentäter in Washington erschossen wurde.

Auch bei vielen anderen der hier ausgewählten schönen Urlaubsziele spielen Jubiläen eine Rolle. Manchmal sind es aber auch Entwicklungen in den jeweiligen Ländern, die heute attraktiv erscheinen lassen, was noch vor wenigen Jahren als wenig einladend oder sogar gefährlich galt: Nicaragua zum Beispiel (Platz 4 auf der Länderliste), das sich langsam aus seiner kriegszerstörten Vergangenheit befreit. Oder Plovdiv in Bulgarien (Platz 6 beim Städte-Ranking), das sich immer mehr aus seinen postsozialistischen Schatten löst.

Neben schönen Urlaubszielen gibt es weitere Reise-Tipps

Schöne Urlaubsziele zu empfehlen, ist sicher der eigentliche Zweck dieses Bändchens – die Rankings sind weiter unten aufgelistet –, doch es liefert darüber hinaus weitere Informationen zu Aspekten rund um das Reisen, zum Beispiel: Wo bekommt man 2015 das meiste für sein Geld? Belebende Heißgetränke gegen die Kaffeeabhängigkeit. Top-Ziele, um sich wie in der Zukunft zu fühlen. Beste Literarische Spaziergänge. Die besten Orte für extreme Ess-Erlebnisse. Beste Plätze, um die Angel auszuwerfen oder auch – mein Favorit: Das stille Örtchen: Die schönsten Toiletten der Welt. Da bleiben keine Fragen offen.

Lonely Planets Best in Travel 2015. 208 Seiten, 114 Fotos, 14,2 x 17,8 cm, 10 Euro, ISBN: 978-3-8297-2392-3


Und hier die Rankings: (mehr …)

Heimat geht durch den Magen – Das neue Kochbuch von Tim Mälzer

Geschrieben am 29. 10. 2014 von Birgit Warnhold

MaelzerDieses Buch ist zum Weihnachtsgeschenk prädestiniert. Nicht nur, weil es schön gestaltet ist und ein paar wirklich gut klingende Rezepte enthält, es vereint auch zwei Bereiche, die Weihnachten im Kern ausmachen: Essen und Heimat. Die Essensdüfte, die am Heiligabend durch das Elternhaus zogen, hat wohl jeder von uns auf ewig gespeichert – Heimat geht durch den Magen. Und Tim Mälzer führt sie uns vor.

Dabei gelingt ihm etwas, wofür er einige extra Sympathiepunkte verdient hat: Je länger man in diesem Buch stöbert, desto stärker reift die Erkenntnis: Die deutsche Küche ist gar nicht so schlecht. Im Gegenteil. Tim Mälzer hat das Land von Süd nach Nord durchreist, er hat mit Landwirten und Produzenten gesprochen, probiert und gekostet und die Spezialitäten der Regionen zusammengetragen: Käse aus dem Allgäu, Weißweine von Mosel, Saar und Rhein, Klöße aus Thüringen, Pilze aus Brandenburg, er hat eine neue Brotkultur Heimat1entdeckt, ist mit Fischern aufs Meer gefahren und hat Schweine glücklich im Galopp über Wiesen rennen sehen. Bei seinen Rezepten achtet Tim Mälzer auf zwei Dinge, die auch für viele andere Menschen immer wichtiger werden: Regionalität und Nachhaltigkeit.

Mehr als 120 Rezepte enthält das Heimatkochbuch. Darunter sind neben eigenen Kreationen diverse Klassiker wie Labskaus, Tafelspitz, Bratkartoffeln, Milchreis, Christstollen oder Kartoffelsalat (Nord & Süd), wobei Tim Mälzer viele Gerichte gern noch ein bisschen verfeinert. Wahrscheinlich wird jeder hier den ein oder anderen guten alten Bekannten antreffen. Mir hat es der Steckrübeneintopf angetan, weil er mich an früher erinnert und so herrlich aus der Mode gefallen ist. Appetit anregend finde ich aber noch einiges mehr, z.B. Labskaus oder die Fleischpflanzerl (Fotos oben, Rezepte unten), wobei mir als Nordlicht Labskaus deutlich näher ist. Auch einige Kuchenrezepte haben hohen Aufforderungscharakter, Käsekuchen zum Beispiel, den Tim Mälzer mit Eierlikör zubereitet, was ich so schräg finde, dass ich es mal ausprobieren werde. (Rezept ebenfalls unten)

Das Buch heißt nicht nur “Heimat”, es sieht auch so aus

Insgesamt passt das Buch mit seinen guten Fotos, den ergänzenden Zeichnungen und Bildern sowie den persönlich gehaltenen Texten sehr gut zu seinem Gegenstand, „Heimat“. Es ist ein sympathisches Buch geworden, das Tim Mälzer hier vorlegt – einzige Einschränkung: Für Vegetarier ist es weniger geeignet.

Tim Mälzer: Heimat. Kochbuch. Mit über 120 Rezepten. Halbleinen, gebunden, 21,0 x 27,0 cm, ca. 300 farbige Abbildungen, Lesebändchen, 304 Seiten, 19,99 Euro. ISBN: 978-3-442-39274-2

Und hier die Rezepte: (mehr …)

Hotelbewertungen der anderen Art: „Kakerlak macht Kuckuck“

Geschrieben am 01. 10. 2014 von Birgit Warnhold

HotelbewertungenVor kurzem haben wir ein paar Tage Urlaub in Italien gemacht. Unser Hotel war wunderbar gelegen – es sah also keineswegs so aus wie auf dem Foto –, nur in puncto Atmosphäre war noch eindeutig Luft nach oben. Jedenfalls musste ich an dieses Hotel denken, als ich folgenden Satz las: „Der Manager ist ruppig, aber vorhanden.“ Zutreffend ist auch folgende Formulierung: „Hier die Gastfreundschaft nicht wissen, wo sie zu Hause ist.“ Unterm Strich steht allerdings fest: Ein Hotel-Aufenthalt könnte schlimmer sein, viel, viel schlimmer, wie man schon nach Ueberalleinem kurzen Blick in das Buch sagen kann, das gerade vor meiner Nase liegt.

„Dieses Loch ist weit entfernt von Spaß“ lautet der Titel des Taschenbuchs, in dem der Autor und Weltenbummler mit dem passenden Namen Thomas Überall „Bizarre Hotelbewertungen aus aller Welt“ versammelt hat. Die schiefe Grammatik, die sich bereits in einem der Zitate oben zeigt, hängt damit zusammen, dass Einträge ausgewählt wurden, die der Sprachroboter in der Mangel hatte. Diese sogenannten „Übelsetzungen“ bestechen immer wieder durch unfreiwillige Komik, wobei manche die Grenzen des guten Geschmacks streifen – da kennt der Computer nichts. Aber vieles ist auch einfach nur komisch: „Wir beschwerten uns beim Manager, und während wir dort warteten, jemand kam und fragte, ob sein Bewährungshelfer wäre bereits aufgetaucht.“ Aber wer weiß, vielleicht ist das ja gar kein Übersetzungsfehler.

Ansonsten kann man sagen, dass Hotels ein breites Erlebnisspektrum bieten. „Zentrale Klimaanlage macht dich kalt, dass du wirst blau wie Schlümpfe und stirbst.“ „Weshalb ist dies ein Hotel? Wo kann man kaufen den Geruch? Warum bin ich hier?“ „Was macht ein Kellner mit Tourette-Syndrom? Richtig geraten.“ „Hotel ist schwer zu finden. Wenn Sie blinzeln, Sie verpassen den Eingang.“ „Dies ist die Art Hotel, die das ,Bates-Motel’ aussehen lässt wie das Paradies.“ „Die Probleme begannen, als Wanzen anfingen, an mir zu schlemmen in der Nacht.“ „Hinter dem Badezimmerspiegel Kakerlak macht Kuckuck mit seinen gigantische Antennen.“ So weit eine kleine Auswahl.

Hotelbewertungen offenbaren die unterschiedlichsten Typen

Wahrscheinlich könnte man anhand dieser Bewertungen Studien treiben über die Verfasstheit der Menschen. Der eine versucht, einigermaßen höflich zu bleiben, der nächste phantasiert über Waffenkauf und gnadenlose Rache, während wieder ein anderer sich der Problematik esoterisch nähert und ein weiterer gepeinigter Gast es mit resignativer Gelassenheit versucht: „Ich hatte nicht viel erwartet – ich wurde nicht enttäuscht.“ Zu guter Letzt vermittelt das Buch die unumstößliche Erkenntnis: Es kann immer noch schlimmer kommen.

Tomas Überall: Dieses Loch ist weit entfernt von Spaß. Bizarre Hotelbewertungen aus aller Welt. Piper, München. 240 Seiten, 9,99 Euro. ISBN: 978-3-492-30577-8