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Shoppen in Berlin für Individualisten

Geschrieben am 27. 08. 2014 von Birgit Warnhold

Augenblick Shoppen in Berlin für IndividualistenDas Ranking, über das sich alle einig sind, gibt es nicht. Das ist bei dem Buch „111 Geschäfte in Berlin, die man erlebt haben muss“ nicht anders. Der frisch erschienene Band von Patricia Schmidt-Fischbach und Ralph Bergel bietet trotzdem einen originellen Beitrag zum Thema Shoppen in Berlin.

Freimütig erzählen die Autoren im Vorwort, dass manches fehlt: weil sie sich bei der Auswahl „an einem bürgerlichen Budget orientiert haben“, weil manche Inhaber sehr umständlich waren oder einfach nicht wollten. Und weil es Geschäfte gab, die schlicht nicht überzeugt haben. Diejenigen aber, die es in diesen Guide zum Shoppen in Berlin geschafft haben, wurden mit einem 111 Geschaefte Shoppen in Berlin für Individualistenindividuellen und – bei aller Distanz – persönlichen Porträt bedacht. Die Texte vermitteln eine gute Vorstellung von den Läden und ihren Eigenarten.

Der Text über Albrechts Pâtisserie etwa befördert sofort die Lust auf kleine feine Backwerke aus der meisterhaften Konditorenküche von Stephanie Albrecht, die sich ihre Inspirationen genauso bei der deutschen Tortenkunst wie in Frankreich geholt hat. Ganz auf Nachhaltigkeit setzt der Schuhladen Avesu, der ausschließlich vegane Produkte anbietet, Stöckeln keineswegs ausschließt und ebenfalls in Prenzlauer Berg beheimatet ist. Überhaupt, der Prenzlauer Berg: Ob die Brautmoden-Expertin Anne Wolf, der Design-Laden Blumenfisch, Bonanza Coffee Roasters oder MDC Kosmetik – der Prenzlberg ist beim originellen Shoppen in Berlin immer gut vertreten.

Aber auch in Charlottenburg haben die Autoren eine Menge Erlebenswertes ausfindig gemacht: Korsett Engelke zum Beispiel, den Königsberger Marzipan Wald, die Brillen-Manufaktur Augenblick (Foto oben), Mustermöbel (Foto unten rechts), den Parfümladen Belle Rebelle oder – einfach legendär – C. Adolph, den Berliner Eisenwarenladen, in dem man seit 1898 jede Schraube bekommt.

Jeder nach seiner Façon – auch beim Shoppen in Berlin

So alt wie C. Adolph sind die wenigsten Geschäfte des vorliegenden Bandes, aber die Auswahl, das wird sehr deutlich, vermeidet jene Art hipper Läden, die manchmal schneller wieder weg sind, als ein Buch gedruckt werden kann. Natürlich wird – s.o. – nicht jeder alles gut finden, was die Autoren fürs Shoppen in Berlin zusammengetragen haben. Ich zum Beispiel fremdele, seit der Laden Anfang dieses Jahres eröffnet hat, mit Pets Deli, einem Feinkost-Geschäft für Hunde. Andererseits ist genau das das Schöne an Berlin: Jeder nach seiner Façon, und in diesem Buch dürfte jeder fündig werden. Das Foto unten links zeigt übrigens die Preußische Spirituosen Manufaktur.

Patricia Schmidt-Fischbach (Text), Ralph Bergel (Fotos): 111 Geschäfte in Berlin, die man erlebt haben muss. Emons Verlag, Köln. Broschur, 240 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-95451-334-5
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Hinreißender Kinderatlas: Alle Welt

Geschrieben am 07. 08. 2014 von Birgit Warnhold

Nord Amerika Hinreißender Kinderatlas: Alle WeltMit dem Finger auf der Landkarte zu verreisen, kann schön sein. Sehr schön sogar, wenn man den Kinderatlas „Alle Welt“ aus dem Moritz Verlag vor den staunenden Augen hat. Was für eine großartige Entdeckungsreise! Und was für ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch! Gedacht ist es für Weltendecker ab sechs Jahren, aber auch Erwachsene bekommen bei diesem ungewöhnlichen Atlas leuchtende Augen.Alle Welt Hinreißender Kinderatlas: Alle Welt

Die polnischen Buchgestalter Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski haben mehr als drei Jahre lang an diesem Landkartenbuch gearbeitet, das den Aufzeichnungen der großen Entdecker aus vergangenen Zeiten ähnelt. Der Betrachter erfährt in diesem Kinderatlas nicht nur etwas über Einwohnerzahl, Fläche, Hauptstadt, Flüsse, Berge und Vulkane, sondern auch über beliebte Vornamen, Nationalgerichte, bevorzugte Freizeitbeschäftigungen, typische Tiere, große Persönlichkeiten, kulturelle Sehenswürdigkeiten des jeweiligen Landes. Mehr als 4000 Miniaturen haben die beiden Buchautoren gezeichnet, um die Vielfalt unserer Erde anschaulich zu machen. Das Bild oben zeigt die USA, die untere Abbildung Brasilien.

4000 Miniaturen machen in dem Kinderatlas die Welt anschaulich

„Alle Welt“ besteht aus 51 Karten. Sieben davon umreißen die Kontinente, die anderen zeigen ausgewählte Länder. Über Deutschland verrät der Kinderatlas, dass es in Stralsund eine astronomische Uhr gibt, dass der Chemiker Felix Hoffmann das Aspirin erfand und dass in bzw. über der Nordsee Kegelrobbe und Austernfischer beheimatet sind. Zum Beispiel. Dann habe ich noch gelernt, dass die Tschechen gern panierten Käse essen, dass die Isländer Handball mögen und dass im Chinesischen Meer die Seegurke und im Indischen Ozean die Nasenmuräne zu Hause sind. Auf diesen Landkarten wird man jedes Mal, wenn man sie ansieht, wieder Neues entdecken. Liebevoller kann die Welt nicht vermessen werden. Daran hätte wohl auch Alexander von Humboldt seine Freude gehabt.

Aleksandra Mizielinska, Daniel Mizielinski: Alle Welt. Das Landkartenbuch. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. 112 S., Format: 27,5 x 37,5 cm, Pappband in Fadenheftung, 26 Euro. ISBN 978-3-89565-270-7. Ab 6 Jahren
 
Brasilien Welt Hinreißender Kinderatlas: Alle Welt

Flughafen Abu Dhabi

Falsch reisen – wie es jeder kennt

Geschrieben am 01. 08. 2014 von Birgit Warnhold

Unter den Flugreisenden dieser Welt gibt es mit Sicherheit einen kollektiven Erfahrungsschatz: Die leichte Unruhe am Gepäckband, ob der eigene Koffer dabei ist, das ziellose Stromern durch die Duty-Free-Läden (das Foto zeigt Abu Dhabi), das Staunen über die teilweise gigantischen Handgepäck-Mengen der Anderen oder die Sorge, dass der dicke Mann, der da gerade durch den Gang walzt, den Platz direkt neben einem hat. Zum Beispiel.

Es sind Situationen und Erfahrungen wie diese, auf denen Martin Amanshauser sein Buch „Falsch reisen“ aufgebaut hat. Allerdings ist sein Erfahrungsschatz größer als der von Normalreisenden wie mir: Amanshauser ist Reisejournalist.FalschReisen Falsch reisen – wie es jeder kennt Seit 15 Jahren ist der Österreicher, der in Wien und in Berlin lebt, unterwegs, um über die schönen Plätze dieser Welt zu berichten. Vielleicht auch über die weniger schönen. Auf alle Fälle hat er jetzt insgesamt 100 kleine Geschichten aufgeschrieben, die ihm beim Reisen eingefallen oder passiert sind. Oder vielleicht auch hätten passieren können.

Der Titel „Falsch reisen“ ist dabei etwas irreführend, denn er suggeriert Fehler im eigenen Reiseverhalten. Auf manche Geschichten oder Situationen trifft das zu – etwa wenn es um Trinkgeld oder die Reiseapotheke geht –, aber bei weitem nicht auf alle. Wenn der dicke Mann tatsächlich den Platz neben mir hat und zu mir herüberquillt, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich in Gelassenheit zu üben. Es ist übrigens eine hübsche Geschichte, die Amanshauser dazu erzählt: „Flugthrombose“ heißt der Text, in dem er darüber nachdenkt, ob das Bodenpersonal beim Einchecken Hinweise auf die Körperfülle der Reisenden mit eintippt und das Computersystem Dicke dann automatisch neben Dünnen platziert. Tatsächlich wären zwei richtig Dicke nebeneinander ja auch schwierig. Vielleicht hat Amanshauer Recht.

Kleine Feuilletons zum Reisen

Seine Geschichten, die sich keineswegs auf Flugreisen beschränken, sind teilweise kleine Feuilletons, teilweise Erfahrungsberichte, immer mal wieder mit einer Prise Ironie versehen. Was mir besonders gut gefällt, ist das allem zu Grunde liegende Verständnis vom Reisen: Nicht die Hetzjagd nach Sehenswürdigkeit macht dessen Wesen aus, sondern das Innehalten und Beobachten des Alltäglichen.

Martin Amanshauser. Falsch reisen. Alle machen es. 100 Geschichten. Picus Verlag, Wien. 240 Seiten, Klappenbroschur, 16,90 Euro, ISBN 978-3-7117-2015-3; als E-Book 13,99 Euro, ISBN 978-3-7117-5221-5

Berlin-Buch der besonderen Art

Geschrieben am 18. 07. 2014 von Birgit Warnhold

Falkenberg Berlin Buch der besonderen ArtIch weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber ich hätte nicht gewusst, was auf dem Foto zu sehen ist: die Gartenstadt Falkenberg. Weltkulturerbe. Das Ensemble gehört zu einer Bruno-Taut-Siedlung im Südosten Berlins, im Bezirk Treptow-Köpenick. 2008 wurde die Gartenstadt Falkenberg zusammen mit fünf anderen Wohnsiedlungen der Berliner Moderne von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wenn man, so wie ich, in Berlin lebt, hätte man das eigentlich wissen Fakten Berlin Berlin Buch der besonderen Artkönnen. Nein, sagt der Baedeker, „wissen müssen“! „100+1 Fakten. Das muss jeder Berliner wissen“ heißt das kleine Berlin-Buch, das der Verlag gerade herausgebracht hat. Immerhin wusste ich, dass die Museumsinsel (Foto unten) zum Weltkulturerbe gehört.

Vor einem knappen halben Jahr hat Baedeker gewissermaßen den nationalen Vorgänger herausgebracht: „100+1 Fakten. Das muss jeder Deutsche wissen“, nun also das Pflichtprogramm für den Hauptstadt-Bewohner. Verfassung, geographische Lage, Partnerstädte, Wetter, Flüsse und Seen, wilde Tiere in der Stadt, Shoppen, Sport, Kultur, Geschichte – alles da in diesem Berlin-Buch. Auch „Berliner Köpfe“ findet man hier, von Sascha Lobo bis Rolf Eden. Natürlich kann man sich wie bei jedem Ranking über die Auswahl streiten und wohl auch über die Frage, ob das überhaupt sein muss. Aber das Blättern in diesem eigenwilligen Berlin-Buch ist unterhaltsam. Das liegt auch an den gut gemachten Infografiken von Jan Schwochow, aus denen das gesamte Buch im Westentaschenformat besteht.

Auch ein Hipster Starter Kit fehlt in diesem Berlin-Buch nicht

Dass bei der Auswahl auch schmerzliche Themen nicht vermieden wurden, zeigt das Kapitel Großprojekte, das in knapper Sachlichkeit deutlich macht, um wie viel sich Staatsoper, BND-Zentrale, Rückbau des Palasts der Republik, Hauptbahnhof und – unangefochten – der Flughafen BER verteuert haben. Dass der BER hier noch BBI heißt, ist nicht ganz so schön, aber auch wieder nicht so schlimm wie die 710 Prozent Verteuerung, die hier genannt werden. Vielleicht hält man sich dann doch besser an das „Hipster Starter Kit“, das den Abschluss des Buches bildet und eine kleine ironische Anspielung auf den Kleider- und Markenkodex des hippen Berliners ist. Der thematische Bogen ist jedenfalls wirklich weit gespannt.

Baedeker 100+1 Fakten. Das muss jeder Berliner wissen. Verlag Karl Baedeker, Ostfildern. 192 Seiten, 10 Euro. ?ISBN: 978-3-8297-1497-6
Pergamonmuseum Berlin Buch der besonderen Art

Inselhüpfen rund um den Globus

Geschrieben am 04. 07. 2014 von Birgit Warnhold

Aitutaki Inselhüpfen rund um den GlobusDie griechischen Inseln sind berühmt als Dorado für Inselhüpfer. Ein Rucksack, eine Luftmatratze und ein Paar Birkenstock-Sandalen – so machten sich einst ganze Generationen von Abiturienten auf den Weg, die Ägäis und die eigene Freiheit zu erkunden. Die Kykladen und Sporaden sind ein eindrucksvolles Reiseziel, eine „Inselwelt von einzigartiger Schönheit“, wie es in dem frisch erschienenen Bildband „Island Hopping. Die schönsten Inseltouren der Welt“ heißt.

Inselhüpfen war immer schon mehr als nur Urlaub machen. Das Entdecken, Staunen, das Ankommen und das Weiterfahren, das Erfahren im übertragenen wie im Wortsinn gehören naturgegeben zu dieser Art des Reisens. Dabei gewinntIsland Hopping Inselhüpfen rund um den Globus man oft nachhaltige Eindrücke, und der Kunth Verlag zeigt in seinem Bildband, welche das sein können – egal, ob man mit der Fähre, auf dem Kreuzfahrtschiff, der Charteryacht oder dem eigenen Segelboot unterwegs ist.

Zu den Zielen, auf die das Buch Kurs nimmt, gehören die Azoren, die Karibik, die kleinen Sundainseln, West- wie Französisch-Polynesien, die Galapagos-Inseln, Hawaii und natürlich auch europäische Schönheiten wie die Küste Kroatiens, die Balearen, die Kanaren und eben Griechenland. „Island Hopping“ schlägt für das Inselhüpfen in den jeweiligen Regionen bestimmte Routen vor, macht Vorschläge für Exkursionen, zeigt Hot Spots und enthält auch praktische Tipps wie Kontaktadressen für weitere Informationen.

Die Lust aufs Inselhüpfen ist geweckt

Das Band bietet also eine Orientierung für Inselhüpfer und weckt gleichzeitig mit Südseestränden und im Wind sich wiegenden Palmen, mit farbenprächtigen Unterwasser-Aufnahmen, eindrucksvollen Fotos aus der Tierwelt und immer wieder faszinierenden Kulissen vor blauem Meer die Reiselust. Das Foto oben zeigt die Insel Aitutaki in Französisch-Polynesien.

Island Hopping. Die schönsten Inseltouren der Welt. 320 Seiten, Format 26,0 x 33,0 cm, 49,95 Euro. ISBN: 978-3-89944-925-9

Kenntnisreicher Reiseführer Baltikum

Geschrieben am 30. 06. 2014 von Birgit Warnhold

Nidden Kenntnisreicher Reiseführer BaltikumDie Reihe „Gebrauchsanweisung für…“ gibt der Piper Verlag seit vielen Jahren heraus, und die Bücher sind so unterschiedlich wie die Handschriften der jeweiligen Autoren. Ein Highlight der Reihe ist für mich der frisch erschienene Reiseführer Baltikum von Sabine Herre. Die Autorin hat osteuropäische Geschichte studiert, war als Auslandskorrespondentin tätig, verbringt mehrere Monate im Jahr im Baltikum, wo sie auch als Reiseleiterin arbeitet. Sie weiß also, wovon sie schreibt, und auch wie man schreibt. Wer in das Baltikum reisen willGebrauchsanweisung Baltikum Kenntnisreicher Reiseführer Baltikum und ein Gefühl dafür entwickeln möchte, wie diese Region tickt und was sie prägt, der sollte dieses Buch lesen.

Im Gegensatz zu manchen anderen Autoren der Reihe erzählt Sabine Herre weniger von sich selbst und ihrem Verhältnis zu dem Land – bzw. den drei Ländern –, ihr tiefes Interesse offenbart sich vielmehr in ihrer Kenntnis und der Auseinandersetzung mit den Themen, die das Baltikum bewegen: das schwierige Verhältnis zu Russland, die Liebe zur Natur, die auch ein Synonym für die Freiheit ist, die kulturhistorischen Wurzeln, der Glaube und die Bedeutung der EU für das Baltikum. Es ist die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, die hier so spürbar wird: hier Volkslied, da Facebook. Estland etwa hat sich den freien Internetzugang in die Verfassung geschrieben, als würde es dem Zauber noch nicht ganz trauen. Litauen, Lettland und Estland sind Länder im Aufbruch, das macht sie so spannend.

Sommerfrische auf den Spuren von Thomas Mann

Schön sind die Ostseestaaten auch. Sabine Herre erzählt in ihrem Reiseführer Baltikum u.a. von der Kurischen Nehrung zwischen Haff und Ostsee, wo Thomas Mann sein Sommerhaus hatte und wo noch heute Holzhäuser zur Sommerfrische einladen (Foto). Sie erzählt von den vielen Wäldern mit ihren Seen, Pilzen und Beeren, von den kleinen Dingen wie dem Duft abgeernteter Felder oder dem Rosarot der Pfingstrosen in den Gärten. Auch die Hauptstädte lohnen den Besuch: das mittelalterliche Tallinn genauso wie die Jugendstilstadt Riga oder das lebendige barocke Vilnius.

Sabine Herre: Gebrauchsanweisung für das Baltikum. Piper, München. 224 Seiten, Flexcover mit Klappen, 14,99 Euro. ISBN: 978-3-492-27646-7. Als E-Book 11,99 Euro, ISBN: 978-3-492-96628-3

Auch als literarischer Handlungsort eine Berühmtheit: Die Kathedrale Notre Dame in Paris © pa/Harding

Reiseführer Paris für Literaturfreunde

Geschrieben am 23. 06. 2014 von Birgit Warnhold

In Zeiten, in denen schlaglichtartige Rankings weite Teile des Reisebuchmarktes dominieren, fällt der Reiseführer Paris von Hans-Joachim Lotz besonders auf. Der Philologe mit Schwerpunkt Romanische Sprachen verspricht „Eine literarische Entdeckungsreise“ durch die französische Hauptstadt und fördert eine Menge Bezüge zu Tage.

Kenntnisreich entfaltet Lotz in seinem Reiseführer Paris die literarische Topographie der Stadt. In neun Spaziergängen führt er die Leser durch die Seine-Metropole und flankiert diese Spaziergänge mit bekannten und wenigerLiteratur Parisfuehrer Reiseführer Paris für Literaturfreunde bekannten Texten. Das erste Kapitel – „Rund um die Ile de la Cité“ – führt direkt zum „Glöckner von Notre-Dame“, dem berühmten Roman von Victor Hugo, in dem die Kathedrale Notre-Dame (Foto) die Hauptrolle spielt.

Detailreich schildert Lotz die Darstellung des Bauwerks bei Hugo. Er verortet den Roman im literaturhistorischen Kontext, er spricht von der Wirkungsgeschichte, er zitiert relevante Passagen. Und er benennt – von Rabelais bis zur Lyrik – weitere Beispiele für die Bezüge zwischen Notre-Dame und der Literatur. Auch bei den anderen Stationen dieses Spaziergangs – Pont-au-Change oder Pont-Neuf etwa – legt der Autor da, welche Schriftsteller sich von den Bauwerken haben inspirieren lassen.

Die akademische Beschäftigung des Philologen mit dem Thema ist unübersehbar. Nicht jeder Paris-Reisende wird damit etwas anfangen können. Wer aber ein tiefgehendes Interesse an Literatur hat und Kleingedrucktes nicht scheut, kann in diesem Reiseführer Paris interessante Details über die Spuren erfahren, die die Seine-Metropole im Wirken der Schriftsteller hinterlassen hat.

Hans-Joachim Lotz: Paris. Eine literarische Entdeckungsreise. Verlag Lambert Schneider, Darmstadt. 236 Seiten, geb. mit Lesebändchen, 24,90 Euro. ISBN 978-3-650-17241-9

Das kleine Sevedstorp – das Heimatdorf von Astrid Lindgrens Vater – stand Pate für Bullerbü © pa/akg-images

Bullerbü ist überall

Geschrieben am 20. 06. 2014 von Birgit Warnhold

Vor ein paar Jahren war ich mit Freunden in Schweden, wo wir jemanden besuchten, der dort ein kleines Holzhaus hatte. Alles dort war einfach, herzlich und naturverbunden. Gleich hinterm Haus wuchs das Getreide, ein Stückchen weiter fing der Wald an, wo schon die ersten Pilze auf uns warteten. An diese Tage in Schweden musste ich denken, als ich jetzt das Buch „Leben und Bullerbue Bullerbü ist überallKochen wie in Bullerbü“ in die Hände bekam.

Astrid Lindgrens Bücher über die Kinder von Bullerbü waren ein Klassiker meiner Kindheit. Ich habe sie geliebt, die Geschichten von Lisa, Lasse, Bosse, Britta und Inga, Ole und Kerstin. in dem vorliegenden Buch tauchen sie in Zitaten wieder auf, so zum Beispiel: „Im Herbst und Winter ist es dunkel, wenn wir morgens von zu Hause fortgehen, und dunkel, wenn wir nachmittags zurückgehen. Es wäre schrecklich langweilig, den ganzen langen Weg allein im Dunkeln zu gehen, aber da wir zu siebt sind, ist es nur lustig.“ Genau. So war das. Das Foto oben zeigt übrigens das kleine Dorf Sevedstorp, aus dem Astrid Lindgrens Vater stammte und das Pate stand für Bullerbü.

Baiser aus Bullerbü – Diese Rezepte können nicht schlecht sein

Der kleine Band von Sarah Schocke und Lotte Reinhardt, der im Untertitel „Nordische Ideen und Rezepte vom Lande“ verspricht, transportiert eine Menge dieser freundlichen Entspanntheit, die für Skandinavien so typisch ist. Und ein paar Bastelideen und lecker klingende Rezepte – die nach Jahreszeiten geordnet sind, also die saisonal verfügbaren Zutaten berücksichtigen – findet man auch. Den Stachelbeerkuchen mit Baiser habe ich gleich mal ausprobiert – sehr lecker.
Stachelbeer Baiser Bullerbü ist überall

Sarah Schocke / Lotte Reinhardt: Leben und Kochen wie in Bullerbü. Nordische Ideen und Rezepte vom Lande. Kailash Verlag, München. 184 Seiten, 13,5 x 17,5 cm, 50 Abb., 14,99 Euro. ISBN: 978-3-424-63090-9

Terrasse mit Ausblick: Vom Nepenthe schaut man auf die Küste von Monterey © Getty Images

Reisetipps Kalifornien

Geschrieben am 16. 06. 2014 von Birgit Warnhold

An Kalifornien-Reiseführern komme ich schwer vorbei – ich finde, dass der Bundesstaat im Westen der USA ein wunderbares Reiseland ist. Nun haben ihn die Süddeutsche Zeitung und Smart Travelling für ihre gemeinsam herausgegebene Reihe „Eine perfekte Woche in…“ entdeckt und ein paar interessante Reisetipps Kalifornien zusammengestellt.

Wahrscheinlich kann man darüber streiten, ob „Eine perfekte Woche in Kalifornien“ ein Widerspruch in sich ist, weil eine Woche für dieses Land zu wenig ist. Die Herausgeber haben allerdings den Norden inklusive San Francisco Perfekte Woche Kalifornien Reisetipps Kalifornienausgespart, was das Ganze etwas übersichtlicher macht. Ihre Reisetipps Kalifornien konzentrieren sich auf Los Angeles, Santa Barbara, Palm Springs, Big Sur. Dabei schickt der Band – wie für die Reihe typisch – seine Nutzer nicht wortreich auf Lesereise, sondern führt sie ohne Umweg zu möglichen Highlights. Mit vielen Bildern und wenig Text.

Und so funktioniert die Zusammenstellung der Reisetipps Kalifornien denn auch weniger als Ablaufplan für eine Woche, sondern als Kiste voller origineller Tipps für Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten, aus der man sich bedienen kann. Dabei offenbart die Dominanz von Essens-Empfehlungen den Reichtum der kalifornischen Küche, die zum einen gesundheitsbewusst ist (so lange man an der Küste bleibt) und zum anderen von den Einflüssen zahlreicher Nationen lebt.

Essen, wo Orson Welles und Rita Hayworth gepicknickt haben

Ein besonders schöner Küstenabschnitt auf dem ohnehin schönen Highway 1 ist Big Sur, nördlich von Los Angeles und eigentlich schon außerhalb Südkaliforniens. Dort ist u.a. das Restaurant Nepenthe mit dem dazugehörigen Cafe Kavah (Foto) zu finden. Zwar haben Jahrzehnte touristischer Nutzung ihre Spuren hinterlassen, aber das Restaurant bietet einen traumhaften Blick über die Monterey-Küste. Und eine Geschichte hat der Ort auch zu erzählen: Orson Welles und Rita Hayworth haben das Grundstück 1925 erworben, nachdem sie dort gepicknickt hatten und von der Aussicht überwältigt gewesen waren. Eigentlich wollte Welles für seine Rita dort ein Hide Away bauen, doch tatsächlich sind die beiden nie zurückgekehrt. Nach dem Verkauf entstand das Restaurant, dessen Panoramablick die Menschen bis heute fasziniert.

Eine perfekte Woche in Kalifornien. Süddeutsche Zeitung Edition. Klappenbroschur, 240 Seiten, 12,5 x 18,5 cm, 16,90 Euro. ISBN 978-3-86497-185-3

In Grönland wird der Mensch klein © Getty Images

Birgit Lutz’ „Grenzerfahrung Grönland“

Geschrieben am 22. 05. 2014 von Birgit Warnhold

Ein faszinierendes Buch. „Grenzerfahrung Grönland“ heißt der Titel von Birgit Lutz, und im Untertitel nennt die Journalistin ihren Bericht „Mein Expeditionsthriller“. Das ist nicht übertrieben, denn die Überquerung des Inlandeises, zu der Birgit Lutz mit zwei Weggefährten im April 2013 aufbricht, verläuft zum Teil dramatisch. Auch ist das Buch hervorragend geschrieben,Lutz Groenland Birgit Lutz „Grenzerfahrung Grönland“ spannend und dabei so bildhaft, dass diese fast irreale Welt auch für jeden spürbar wird, der – naheliegender Weise – nie dort war.

560 Kilometer auf dem Eis haben die drei vor sich, als sie in Kangerlussuaq im Westen Grönlands aufbrechen. Jeder zieht eine Pulka hinter sich her, auf der alles verstaut ist, was man für einen knappen Monat braucht. Ungefähr 75 Kilogramm muss jeder wie ein Lastesel auf Skiern über das Eis schleppen. Birgit Lutz hat schon einige Expeditionserfahrungen gesammelt, sie kennt die Kälte, die Strapazen – und die unfassbaren Glücksmomente, die so wohl nur in den extremen Regionen der Welt möglich sind, in denen die Zivilisation draußen bleibt. Dem Buch vorangestellt ist die Widmung „Für alle, die verstehen, warum“.

In Grönland ist der Mensch klein

Dazu gehöre ich nicht, denn für mich wäre so eine Tour eine Tortur, wenn ich sie denn überhaupt überleben würde. Aber verstanden habe ich, glaube ich, auch etwas: Dass in Grönland der Mensch klein ist, weil er hier auf seine Existenz zurückgeworfen ist. Dass die Natur die Menschen Demut lehrt, was ich gut finde, zumal das völlig aus der Mode gekommen ist. Dass man Abenteurer eigentlich immer bewundern sollte, weil sie sich über das Mittelmaß erheben und so neue Räume erschließen. Dass Freundschaft, Verlässlichkeit, Solidarität und die Fähigkeit, miteinander von Herzen lachen zu können, unendlich kostbar sind, wusste ich vorher schon, aber Birgit Lutz bestätigt mir das noch einmal.

Birgit Lutz muss erleben, wie es ist, wenn die Chemie nicht stimmt

Die Verbundenheit unter Gleichgesinnten gehört zu den wunderbaren Grunderfahrungen, die Birgit Lutz mit ihren bisherigen Expeditionen verbindet. Ausgerechnet auf der herausfordernden Grönland-Tour muss sie erleben, wie es ist, wenn die Chemie nicht stimmt. Als Leser kann man diese aus dem Ruder laufende Gruppendynamik fühlen, und man spürt genau, dass dieses eisige Binnenklima wesentlich gefährlicher ist als 40 Grad unter Null. Eine spannende Geschichte, die genauso spannend erzählt ist.

Birgit Lutz: Grenzerfahrung Grönland. Mein Expeditionsthriller. btb, München. 384 Seiten, 2 x 16 S. farbiger Bildteil, 19,99 Euro. ISBN: 978-3-442-75412-0