Die Geschichte fängt so an: Luke Nguyen, der Autor dieses Buches über Vietnam und vietnamesische Kochkunst, begegnet in Hanoi zwei alten Männern. Überrascht davon, dass die beiden fließend Französisch miteinander sprechen, lädt er sie auf einen Eiskaffee ein und lässt sich ihr Leben erzählen. Fast 90 Jahre sind die Männer alt, die noch das französisch besetzte Vietnam (1862 bis 1954) erlebt und eine französische Schule besucht haben. Nun unternehmen sie zusammen jeden Tag einen Spaziergang durch Hanoi, danach kaufen sie frische Baguettes und Pasteten für ihre Familien – und der junge Autor weiß, worüber er ein Buch schreiben wird: Über den Einfluss der Franzosen auf die vietnamesische Küche.
Eine gute Idee. Zum einen, was die Rezepte angeht. Einige sind mir zwar zugegebenermaßen etwas zu schwierig, aber das „Gegrillte Rindfleisch mit Spargelrollen und Senf“ war ein Hochgenuss, auch wenn es vielleicht gar nicht so klingt. Zu den vielen optisch ansprechenden Köstlichkeiten gehört der „Gedämpfte Murray-Dorsch mit Passionsfruchtsauce“ (Foto unten), an den ich
mich in einer ruhigen Stunde vielleicht mal wagen werde. Vorerst aber ist er nur zum Anschauen – wie das ganze Buch, das kunstvoll fotografiert und genauso gestaltet ist.
„ViEATnam 2 – Neue Geschichten und Rezepte“ von Luke Nguyen ist auf der Reisemesse ITB in Berlin in der Kategorie Reise-Kochbuch mit dem BuchAward 2013 prämiert worden. Zur Begründung heißt es: „Die Jury zeichnet ein wahres Meistergesamtwerk der Kochzunft aus. Mit einer Fülle originärer Rezepte, eingebettet in kenntnisreiche touristische Begleitinformationen in wertvollster Schreibe und einem grandiosen Foto Artwork, ist ein avantgardistisches Opus Magnum entstanden.“ Dem ist eigentlich nichts hinzufügen, allerdings sollte man noch sagen, dass die Fotos von Alan Benson und Suzanna Boyd sind und das Buch in der Collection Rolf Heyne erschienen ist.
Etwas möchte ich aber doch noch sagen: Ich glaube, dies ist ein Buch, das man nie wegschmeißt. Was ich sonst durchaus tue. Schon der Einband ist ein bibliophiler Schatz, und allein durch das Haptische vermittelt sich der Eindruck, dass es nicht nur einfach ums Kochen, sondern auch um Kultur und Geschichte geht. Aber natürlich geht es auch ums Kochen. Und ums Genießen. Herrlich!
Luke Nguyen: ViEATnam 2. Neue Geschichten und Rezepte. Collection Rolf Heyne, München. 320 Seiten, 39,90 Euro


Einen Reiseführer über die eigene Stadt zu lesen, ist merkwürdig. Vielleicht ist das anders, wenn es sich bei der eigenen Stadt um eine Metropole handelt, die viele Ecken hat, die man auch als Eingeborener nicht kennt. Aber ich komme aus Lüneburg, und da kenne ich alles. Einen Reiseführer darüber in die Hand zu nehmen, war mir bisher nicht in den Sinn gekommen, Lüneburg war einfach immer da. Doch man kann, wie ich jetzt festgestellt habe, auch über die eigene Stadt eine Menge Neues erfahren – oder Altbekanntes, das verschüttet war, wieder an die Oberfläche holen.
boomt, finde ich nicht nur aus lokalpatriotischen Gründen nachvollziehbar. Und es hat sicher nicht in erster Linie etwas mit der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ zu tun, die hier seit 2006 gedreht wird und in wenigen Tagen auf 1500 Folgen zurückblicken kann.
Es ist mir schon immer so gegangen, dass ich Geschichte durch Geschichten verstanden habe. Aus einem guten Roman habe ich mehr über eine bestimmte Zeit gelernt (und auch behalten) als aus jedem Geschichtsbuch. Bei Ländern ist das genauso.
kennt sich in der Welt aus und in der Kultur. Sein Buch über Zypern ist voll von kulturgeschichtlichen Bezügen und literarischen Querverweisen, es erzählt aber auch von den Menschen, die Sartorius auf Zypern kennen gelernt hat und die ihren Schmerz über die Vertreibung aus dem türkisch besetzten Norden und den Verlust ihrer Häuser dort nicht verwinden können. Zypern als eine Insel der „Brüche und Bräuche“.
Ich glaube, es gibt so etwas wie Städte-Reflexe. Bei Köln denkt man an den Dom, bei München ans Hofbräuhaus, bei Berlin an Brandenburger Tor, Gedächtniskirche und Reichstag. Bei
genau darum geht es in dem Marco-Polo-Bändchen „Hamburg – Kleine Paradiese“.
Martin Walker hat seinen Polizeichef Bruno zwar noch nicht so oft ins Rennen geschickt wie Donna Leon ihren Comissario Brunetti, ist aber auf gutem Wege. Was beide Autoren schon jetzt eint, ist die tiefe Verbundenheit zur Wahlheimat: So wie für die Amerikanerin Venedig zur Herzensangelegenheit geworden ist, hat der gebürtige Schotte seine Liebe für das Périgord entdeckt, jene Region, die sich, wie es in seinem Roman „Delikatessen“ heißt, rühmt, „das Herzland der französischen Küche“ zu sein. Als Hardcover ist „Delikatessen“ bereits im vergangenen Jahr erschienen, pünktlich zur Ferienzeit hat der Verlag nun die handliche Taschenbuch-Ausgabe herausgebracht.
Brasilien ist in diesem Jahr Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse, was gut ist, aber eine Marginalie im Vergleich zu dem, was noch kommt: Die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Dass
Als wir am Wochenende durch das Havelland radelten, musste ich an Charlotte Roche denken. Das ist ungewöhnlich, normalerweise denke ich nicht an Charlotte Roche, zumal ich nie etwas von ihr gelesen habe. Aber nun weiß ich, dass sich zumindest der Titel einer ihrer Romane in meinem Gedächtnis abgelagert hat.
Meißen rühmt sich nicht nur seines unvergleichlichen
Nichts ist schwieriger als luftig-leichte Komik, über die man lachen wie nachdenken kann. Menschen, die das hinbekommen – oder hinbekommen haben –, finde ich bewunderungswürdig, zum Beispiel Hans Bötticher alias Joachim Ringelnatz (1883–1934). Auch Reisen und Fernweh sind bei ihm häufig wiederkehrende Motive, zum Beispiel:
Wenn man liest, dass Frauen nur mit dem Raupenfahrzeug in die Entbindungsklinik gelangen, weiß man, man ist in einer anderen Klimazone unterwegs. Es geht um
immer ein kleines bisschen näher zu sein scheint, und von den Menschen, die die alten Bräuche pflegen oder auch in einem angesagten Café an ihrem „Latte“ nippen. Es erzählt von Wölfen, Elchen, Seen ohne Segel und Elinors Bäckerei. Und der Leser kann das Grundrauschen der Orte hören. Natürlich findet auch die Literatur ihren Platz und die Literaten, die es nach Schweden zog wie etwa Kurt Tucholsky, der hier begraben liegt.