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Mit einem Taxi durch Berlin

Geschrieben am 22. 05. 2015 von Birgit Warnhold

TaxiIst von Taxi und Berlin die Rede, denken die meisten Menschen an ihre Erlebnisse mit Berliner Taxifahrern – in puncto Weltanschauung kann man da manchmal durchaus dazu lernen. Es gibt aber auch die andere Perspektive, und die kann sehr unterhaltsam sein, wie man nach der Lektüre von Sascha Bors’ Buch „Gestern Nacht im Taxi“ weiß.

Sascha Bors ist gebürtiger Stuttgarter, Jahrgang 1981. 2007 ist er nach Berlin gekommen, seit 2008 arbeitet er als Taxifahrer in unserer hippen Hauptstadt.TaxiCover Außerdem ist Bors Autor und Blogger (gestern-nacht-im-taxi.de). Liest man sein Buch, weiß man, warum: Der Mann ist ein Geschichtenerzähler. Ich habe eine Freundin, die auch so ist, und eine ihrer Lebensweisheiten lautet: Jede Geschichte ist so gut, wie man sie erzählt. Wen kümmert da die absolute Wahrheit.

Sascha Bors ist dank seines Berufes, das kann man sicher sagen, nichts Menschliches fremd. Fröhlichkeit, Traurigkeit, Verliebtheit, Einsamkeit, Großzügigkeit, Kleinlichkeit – hier gibt es alles. Eine größere Rolle spielt der Alkohol, was angesichts der Tatsache, dass der Autor die feierfreudigen Touristen nachts mit seinem Taxi durch Berlin kutschiert, nicht erstaunlich ist. Dank des lakonischen Erzähltons sind die Schilderungen menschlicher, nun ja, Grenzerfahrungen, herrlich zu lesen.

Man schmökert sich durch das Buch, wie man einen leichten, süffigen Wein trinkt – und ist versucht, bei der nächsten anstehenden Taxifahrt Sascha Bors anzupiepen. Mal sehen, welche Geschichte dabei herauskäme.

Sascha Bors: Gestern Nacht im Taxi. Skurrile Geschichten eines Taxifahrers. Emons Verlag, Köln. Broschur, 224 Seiten, 12,95 Euro. ISBN 978-3-95451-497-7

Craft Beer Berlin

Geschrieben am 24. 04. 2015 von Birgit Warnhold

Craft-BeerIch hätte nie gedacht, dass Bier mir so sympathisch sein kann. Peter Korneffels Buch „Biermanufakturen in Berlin“ enthält eine Menge Informationen über Bier und Braukunst, vor allem aber erzählt der Autor in 22 Brauereiporträts individuelle Geschichten über Menschen, die sich mit Leib und Seele ihrer Mission verschrieben haben: Leckeres Bier handwerklich sauber zu brauen. Wer etwas über Craft Beer in Berlin wissen möchte, erfährt es hier.

Eigentlich würde man erwarten, dass nur gelernte Brauer eine Biermanufaktur betreiben, aber weit gefehlt: Vom Kunstmaler über den Sozialarbeiter bis zum Bier-ManufakturenHausbesetzer ist alles vertreten, und alle eint der Traum vom richtig guten Bier. Wie immer, wenn Menschen für eine Sache brennen, macht sie das grundsympathisch.

Dass die Manufakturen den Prinzipien alter Handwerkskunst und Nachhaltigkeit wesentlich näher kommen als industrielle Fertigung, macht einen Großteil ihrer Attraktivität aus. Und dass Berlin, das El Dorado der Experimentierfreudigen, an der Spitze der deutschen Craft Bier-Bewegung steht, wundert sicher niemanden.

Zu den porträtierten Brauereien gehören Heidenpeters in der Markthalle Neun, das Brauhaus Südstern, die Privatbrauerei Am Rollberg, die Hausbrauerei Hops & Barley im Boxhagener Kiez, die Brauerei Zukunft am Ostkreuz, die Pfefferbräu Bergbrauerei in Prenzlauer Berg oder BrewBaker in Moabit. Bier in schönster Reinkultur.

Alles andere als simpler Gerstensaft: Craft Beer Berlin

Neben den nach Bezirken geordneten Brauereiporträts enthält der Band Informationen zur Braugeschichte in Berlin und eine Auflistung hauptstädtischer Biergärten. Das Buch ist eine Fundgrube für jeden, der den originellen Berliner Biergenuss sucht oder einfach etwas erfahren möchte über Craft Beer Berlin. Und es zeigt endgültig, dass Bier alles andere als ein simpler Gerstensaft ist.

Peter Korneffel: Biermanufakturen in Berlin. Nicolai Verlag, Berlin. 208 Seiten, 13 x 19,5 cm, 90 farbige Abbildungen, Übersichtskarte, 18,95 Euro. ISBN 978-3-89479-921-2

Vintage in Berlin für Entdecker

Geschrieben am 10. 04. 2015 von Birgit Warnhold

RAW-FlohmarktAls Kind habe ich es geliebt, auf dem Dachboden zu stöbern. Dort hingen in großen Schränken die ausrangierten Kleider meiner Mutter und für Achtjährige, die Prinzessin spielen wollten, gab es keinen besseren Platz. Daran musste ich denken, als ich in dem kleinen Band „Vintage in Berlin“ geblättert habe, den tip, Vintagezitty und der Raufeld Verlag als ersten Teil einer neuen Pocket-Guide-Serie „Berlins Beste“ herausgegeben haben.

In Berlin waren Flohmärkte schon immer extrem gut besucht. Die Geschichten, die alte Dinge erzählen, und die Einzigartigkeit, die sich oft mit ihnen verbindet, verleihen ihnen einen eigenen Reiz. Außerdem sind sie oft einfach besser gefertigt als neuere Produkte. Und seit der Nachhaltigkeitsgedanke der Wegwerfmentalität den Kampf angesagt hat, spielt Vintage in Berlin eine immer größere Rolle.

151 Adressen wurden für das Buch zusammengetragen. Geordnet ist der Band übersichtlich nach Themenfeldern: Mode, Wohnen, Fahrräder/Bücher/Musik, Flohmärkte – das Foto zeigt den RAW-Flohmarkt –, Kinder und Service. Im Service-Teil sind u.a. Reparaturwerkstätten zu finden, ob nun für Möbel, Kameras oder Puppen, also jene Art von Helfern, die man manchmal verzweifelt sucht.

Der Band zeigt Vintage Berlin in allen Facetten

Vor allem aber ist das kleine Buch eine herrliche Fundgrube für alle Vintage-Fans, die hier eine exzellente Übersicht über das Angebot in Berlin finden. Dabei ermöglichen die Kurzporträts der einzelnen Läden eine gezielte Suche, zum Beispiel im Bereich Mode: Will man Glamour, Glitzer und Pailletten, wird man bei Bonnie & Kleid fündig, Class of Berlin ist ein Fall für Rock ‚n’ Roller und Fräulein Anders hat sich auf Damenmode der fünfziger Jahre spezialisiert. Natürlich kann man auch einfach nur stöbern. Wie auf dem Dachboden.

Berlins Beste: Vintage in Berlin. Raufeld Verlag, Berlin. 164 Seiten, 11,8 x 16,5 cm, 6,90 Euro. Erhältlich am Kiosk, im Buchhandel sowie online unter zitty.de/shop sowie tip-berlin.de/shop. ISBN-Nummer: 978-3-9817054-1-6

Unnützes Wissen Berlin

Geschrieben am 27. 03. 2015 von Birgit Warnhold

CurrywurstDie Dinge, die man nicht braucht, sind oft die schönsten: die 20. Handtasche, ein Oldtimer, eine Fahrt mit dem Kettenkarussell. Spätestens seit Ben Schott sein „Sammelsurium“ veröffentlicht hat, weiß man, dass diese Erkenntnis auch für Wissen gilt. Nachdem der Emons Verlag bereits die Städte Köln und München unter die Lupe genommen hatte, sind nun Hamburg und Berlin nach Überflüssigem durchkämmt worden. Da ich in Berlin lebe, geht es hier natürlich um den Band „Unnützes Wissen Berlin“.

„711 erstaunliche Fakten“ verspricht der Band. Erstaunlich daran finde ich zunächst einmal die Zahl. Das erste, was mir dazu einfällt, ist 4711 Echt Kölnisch Wasser, und wie sich auf Nachfrage herausstellt, ist das tatsächlich der Ursprung. Der Emons Verlag sitzt in Köln, wollte ein wenig Lokalbezug herstellen, da aber Unnuetzes-Wissen-Berlin4711 entschieden zu viele Fakten gewesen wären, hat man kurzerhand die 4 gestrichen. Auch so kommt noch genug unnützes Wissen zusammen.

Ich gehöre eigentlich nicht zu den Leuten, die erst mal nach Fehlern suchen, aber die Aussage, dass eine Übernachtung in einem der zehn Fünf-Sterne-Hotels in Berlin im Durchschnitt 2976 Euro kostet, erschien mir dann doch zu hoch gegriffen. Tatsächlich hat sich, wie der Autor bestätigt, hier ein Fehler eingeschlichen. Wenn über Zeitungs- und Bücherrecherche und teilweise Hörensagen 711 kuriose Wahrheiten zusammengetragen werden, kann da auch schon mal etwas schief gehen. Oder in der Herstellung verfälscht werden. Korrigiert wird in der nächsten Auflage, und die Fehler sind Ausnahmen.

“Unnützes Wissen macht Spaß”

Die Regel ist, dass hier Dinge stehen, die einen nicht wirklich weiterbringen, die aber trotzdem – oder gerade deshalb – kurzweilig sind. So wusste ich noch nicht, dass die Berliner Straßenreinigung 14 Hundekotmobile mit Staubsauger-Rüsseln im Einsatz hat und dass es in dieser Stadt Hundewaschanlagen gibt. Neu war mir auch, dass auf dem Mars Gesteinsbrocken mit den Namen „Broken Wall“ und „Maueröffnung“ liegen. Dass in Berlin jährlich 70 Mio. Currywürste gegessen werden, kann man sich ungefähr vorstellen. Weniger bekannt ist möglicherweise, dass es die schärfste Currywurst Berlins bei Curry & Chili in Wedding gibt (Foto) und dass der frühere Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki dort Stammkunde war.

In ihrem Vorwort schreiben die Autoren: „Wissen ist Macht, unnützes Wissen macht Spaß.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

André Stanly, Mirela Stanly: Unnützes Wissen Berlin. 711 erstaunliche Fakten. Emons Verlag, Köln. Mit ca. 80 farbigen Abbildungen. Broschur, 13,5 x 20,5 cm, 192 Seiten, 12,95 Euro. ISBN 978-3-95451-521-9

Museen in Berlin – perfekter Überblick

Geschrieben am 09. 03. 2015 von Birgit Warnhold

Mauer-Panorama„Die 101 besten Museen in Berlin“ nennt die Autorin Julia Brodauf ihren schmalen Band, in dem sie einen so komprimierten wie kompetenten Überblick über die Berliner Museumslandschaft gibt. Der Band ist perfekt für kulturinteressierte Berlin-Besucher, ob nun als Ergänzung zu einem anderen Reiseführer oder als gezielte Lektüre für jene, die es nur auf die Museen in Berlin abgesehen haben.

Julia Brodauf, selbst Künstlerin, ist seit Jahren in der Berliner Welt der Kunst und der Museen unterwegs, und die daraus resultierende Sachkenntnis gibt dem 101-Museenschmalen Band seine Güte. Die Texte sind kurz, aber pointiert, so dass jeder Leser sich einen guten Eindruck verschaffen kann, welche Museen in Berlin ihn am meisten interessieren. Dass die Texte kurz gehalten sind, hält den Band schlank und transportabel.

Inhaltlich ist die Berliner Museumslandschaft in sechs Kapitel gegliedert: Kunst & Kultur, Museumsinsel, Geschichte, Natur & Technik, Regionalmuseen und Besondere Museen. Dass die Museumsinsel als Ausnahme-Ensemble der Museen in Berlin ein extra Kapitel bekommt, gefällt mir genauso gut wie die Tatsache, dass Julia Brodauf auch kleine, weniger spektakuläre Häuser in ihre Sammlung mit aufgenommen hat: das Buchstabenmuseum etwa oder das Elternhaus von Alexander und Wilhelm von Humboldt am Tegeler See.

Praktische Tipps ebnen den Weg in die Museen in Berlin

Natürlich fehlen auch die Orte nicht, die an die Zeit der deutschen Teilung erinnern, zum Beispiel das Mauerpanorama (Foto) unweit des Mauermuseums. Praktische Tipps runden den Band ab.

Julia Brodauf: Die 101 besten Museen in Berlin. Von klassisch bis kultig. via reise verlag, Berlin. 144 Seiten, ca. 120  Fotos, 11,95 Euro. ISBN: 978-3-935029-87-2

Sehenswürdigkeiten Berlin / Potsdam

Geschrieben am 04. 03. 2015 von Birgit Warnhold

Schloss-CharlottenburgJedes Jahr vermeldet Berlin neue Tourismus-Rekorde. Viele der Besucher reisen wiederholt in die deutsche Hauptstadt, aber natürlich gibt es auch ein Menge „Berlin-Anfänger“. Denen würde ich den neu erschienenen „ADAC-Reisebildband Berlin und Potsdam“ in die Hand drücken. Und zwar vor Antritt der Reise. Der Band versammelt die Sehenswürdigkeiten in Berlin und Potsdam – gerade richtig zur Einstimmung und ersten Orientierung.

Der Bildband liefert eine gute Mischung aus großformatigen Fotos und informativen Text-Happen über Sehenswürdigkeiten in Berlin wie Reichstag, Berlin-PotsdamBrandenburger Tor, Gedächtniskirche, Schloss Charlottenburg (Foto) oder Museumsinsel. Ausklappbare Panoramaseiten vermitteln opulente Eindrücke von Gendarmenmarkt oder Regierungsviertel. Potsdam ist u.a. mit Sanssouci, St. Nikolai und dem Holländischen Viertel vertreten.

Über das Naheliegende hinaus gewährt der Bildband Einblicke in den Berliner Siedlungsbau, führt in Bezirke wie Prenzlauer Berg oder Pankow, er erklärt die Karl-Marx-Allee und zeigt, wo Berliner Spaß an der Spree haben. Natürlich fehlt die Currywurst nicht, quasi auch eine Berliner Sehenswürdigkeit, die allen veganen und vegetarischen Berliner Hochburgen zum Trotz immer noch sehr beliebt ist.

Der Band führt auch zu den Ausflugszielen der Berliner

Der Band führt an den Stadtrand und darüber hinaus, wobei ich nicht sicher bin, dass der Spreewald das beliebteste Ausflugsziel der Berliner ist. Aber, keine Frage, er ist ein Ausflugsziel und hat individuellen Charme. Stadtrundgänge, komprimierte Informationen zu Museen und Sammlungen, Tipps zu Sport und Freizeit sowie eine Übersicht zu regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen und eine herausnehmbare Faltkarte in Kurzform runden das Stelldichein der Sehenswürdigkeiten in Berlin und Potsdam ab.

ADAC Reisebildband Berlin und Potsdam. Kunth Verlag, München. 208 Seiten, 23,1 x 29,5 cm, 24,95 Euro. ISBN 978-3-95504-085-7

Schönste Stadt der Welt – Kapstadt

Geschrieben am 26. 02. 2015 von Birgit Warnhold

KapstadtMir hat mal jemand gesagt, die schönsten Städte der Welt seien San Francisco, Sydney, Vancouver und Kapstadt. Für Dieter Losskarn ist die Metropole am Kap die schönste Stadt der Welt, wie er im Vorwort zu seinem Reiseführer „Kapstadt & Kap-Provinz“ unmissverständlich klarstellt. Seit gut 20 Jahren lebt der Autor in seiner Wahlheimat, wobei er betont, dass er sich für Kapstadt entschieden habe, nicht für Südafrika. Kapstadt, so Losskarn, sei Afrika light. Da ist sicher etwas dran.

Auch die Weinregion – „Kap der guten Tropfen“ – hat wenig mit Busch und wilden Tieren zu tun. Sie bildet eins der acht Kapitel, in das der Autor die Kapstadt-ReisefuehrerRegion gegliedert hat. Die anderen sieben sind Kapstadt selbst, der Kap-Halbinsel, der Westküste, den Cederbergen, der Walküste, der Garden Route und der Karoo gewidmet. Dort, in der Karoo oder an der Westküste, kann auf seine Kosten kommen, wer mehr „Afrika-Feeling“ möchte.

Die Stärke dieses Reiseführers liegt in Kapstadt und der Kap-Halbinsel. Im Grunde entspricht die Gewichtung des Bandes der Aussage des Autors, dass er sich für Kapstadt – die schönste Stadt der Welt – und nicht für Südafrika entschieden habe. Vor allem von seinen Kapstadt-Tipps kann jeder Reisende profitieren. Aber auch die anderen Kapitel enthalten gute Anregungen. Allgemeine Reise-Informationen sowie Seiten zu Geschichte, Wirtschaft und Kultur Südafrikas runden den Band ab.

Kapstadt lohnt mehr als nur einen Besuch

Natürlich fehlt auch der Ausflug auf den Tafelberg nicht, der Blick von dort ist einmalig (Foto). Man kann diesen Klotz im Rücken von Kapstadt auf nahezu unzähligen Routen erklimmen. Man kann aber auch die Seilbahn nehmen, eine Option, die ich bei meinem Besuch nicht schlecht fand. Man sollte nur versuchen, möglichst früh da zu sein, um Wartezeiten zu vermeiden. Wandern kann man auch auf dem Berg. In jedem Fall bestätigt mich der Reiseführer in meinem Vorsatz, den Besuch bald zu wiederholen. Vielleicht ist Kapstadt ja wirklich die schönste Stadt der Welt.

Dieter Losskarn: Kapstadt & Kap-Provinz. Mit ungewöhnlichen Entdeckungstouren, persönlichen Lieblingsorten, separater Reisekarte sowie Gratis-Updates zum Download. DuMont-Reise-Taschenbuch.296 Seiten, 17,99 Euro

Reiseführer Berlin für Frauen

Geschrieben am 29. 01. 2015 von Birgit Warnhold

Kaviar-GauchePancakes mit Ahornsirup schmecken erfahrungsgemäß auch Männern, und natürlich könnte man an dem Band „Berlin for Women only“ bemängeln, dass einige Tipps nicht so geschlechtsspezifisch sind, wie es der Titel suggeriert. Sollte man aber nicht, zumal die Zeiten, in denen Frauensolidarität zwangsweise mit Männerfeindlichkeit Hand in Hand ging, glücklicherweise überwunden sind. Berlin-for-womenDavon abgesehen, enthält dieser Reiseführer Berlin für Frauen tatsächlich eine Menge Empfehlungen, die sich dezidiert an Frauen richten, zum Beispiel einen Besuch im Hamam oder einen Abstecher bei dem Mode-Label Kaviar Gauche, das mit seinen Prinzessinnen-Brautkleidern auch bei der Fashion Week punktet (Foto).

So bekannt wie Kaviar Gauche sind bei weitem nicht alle der in dem Band genannten Adressen, und das ist vielleicht das Verblüffendste an diesem Reiseführer Berlin für Frauen: Dass ein Wiener Verlag ein Buch mit so vielen wirklich spannenden Berlin-Tipps herausbringt. Ganz offenbar haben Herausgeberin Nicole Adler sowie Autorin (und Wahlberlinerin) Laura Salm-Reifferscheidt sich Unterstützung bei Szenekennerinnen geholt – was das Buch auch für Berlinerinnen zu einer Fundgrube macht.

Stilbewusstsein prägt diesen Reiseführer Berlin für Frauen

Thematisch geht es um alles, was Frauen mögen: Mode, gutes Essen, Kunst, Kultur, Shoppen, Beauty und Entspannung, auch Ausflüge in die Umgebung und eine kleine – und treffende – „Bezirkskunde“ über die einzelnen Kieze sind zu finden. Darüberhinaus verraten einige Berlinerinnen wie Kunstsammlerin Karen Boros oder Modedesignerin Siggi Spiegelburg ihre persönlichen Tipps. Stilbewusstsein prägt diesen Reiseführer Berlin für Frauen, der sich mit einigen der Empfehlungen auch eher an eine solvente Zielgruppe richtet. Damit könnten auch die hier auftauchenden Anzeigen zusammenhängen, die in Büchern zwar ungewohnt sind, die Originalität der Tipps aber nicht mindern.

Laura Salm-Reifferscheidt: Berlin for Women only“. Hrsg. Von Nicole Adler. Brandstätter Verlag, Wien. 208 Seiten, 150 Bilder (Fotos: Julia Ossko), 22 Euro. ISBN 978-3-85033-803-5

Roman Schatz über Finnland

Geschrieben am 12. 01. 2015 von Birgit Warnhold

Finnland-SaunaSauna und Finnland gehören zusammen. Das wusste ich, nur nicht, in welchem Ausmaß. Es gibt in Finnland fünf Millionen Menschen und zwei Millionen Saunas, eine davon zeigt das Foto. Die Finnen schwitzen wirklich gern. Mehr noch: Generationen von Finnen haben darauf geschworen, in der Sauna ihre Kinder zur Welt zu bringen. Die Sauna ist Lebensraum und Allheilmittel. Wenn sie – und der Schnaps – nicht mehr helfen, muss die Krankheit tödlich sein, sagt ein finnisches Sprichwort. Davon erzählt Roman Schatz, unter anderem.

Roman Schatz ist am Bodensee geboren und vor fast 30 Jahren der Liebe wegen nach Finnland gezogen. Inzwischen könnte er in seiner Wahlheimat der Finnlandbekannteste Deutsche sein. Das liegt an seiner Arbeit als Journalist, Radiomoderator und Schauspieler – und an seinen satirischen Sendungen, die möglicherweise den Ruf des deutschen Humors in Finnland gerettet haben. Für den Piper Verlag hat Roman Schatz eine „Gebrauchsanweisung für Finnland“ geschrieben, und er hat dieses Buch aus der Perspektive desjenigen geschrieben, der sich hervorragend auskennt in seiner Wahlheimat, sich aber das Staunen des Zugewanderten bewahrt hat.

Roman Schatz beginnt mit dem Ursprung der Finnen – den es nicht gibt. Historische Wurzeln sind für dieses Land hoch im Norden nicht eindeutig auszuloten, und vielleicht liegt darin ja der Grund für die finnische Vorliebe für Mythen und Sagen. Das könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Finnland zu 70 Prozent aus Wald besteht, traditionell ein guter Platz für Geister aller Art.

Roman Schatz erzählt von „Spezialitäten” und anderen Schrullen

Der Autor erzählt von der Wildnis, vom dunklen Winter, von der Kultur, der Sprache – die z.B elf Wörter für „Bär“ zu bieten hat – und den unterschiedlichen Regionen. Roman Schatz schreibt über die Entwicklung des Landes und das hervorragende Bildungssystem genauso wie über Rentiere und die Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Finnen. Und wenn man dann etwas liest über „Spezielle Spezialitäten“, weiß man: Auch die Globalisierung kann nationalen Schrullen nichts anhaben. Die Lektüre dieses Buches lässt einen mit der Erkenntnis zurück, dass es in Finnland ähnlich eigenwillig und sympathisch zugehen muss wie hinter den sieben Bergen. Und dass man dort unbedingt einmal hin möchte.

Roman Schatz: Gebrauchsanweisung für Finnland. Piper, München. 240 Seiten, 14,99 Euro. ISBN: 978-3-492-27654-2

Rezepte aus aller Welt

Geschrieben am 23. 12. 2014 von Birgit Warnhold

GemueseEigentlich können größere Textmengen mich nicht erschrecken, ich lese gern und viel. Nur bei Kochbüchern erwarte ich offenbar Bilder, der Devise folgend, dass das Auge mit isst. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich den „KulinarischenKulinarische-Atlas Atlas“ der britischen Gastrokritikerin Mina Holland erst einmal habe links liegen lassen. Leider. Ich finde das Buch anregend, auch – oder gerade weil – die Rezepte aus aller Welt, die man hier findet, auf ungewöhnliche Art präsentiert sind.

Ausdrücklich schreibt die Autorin, dass dieses Buch nicht nur für die Küche, sondern auch für den Nachttisch gedacht ist. Mina Holland lebt als Gastrokritikerin und Kulturjounalistin in London – sie beschäftigt sich also mit Essen und Kultur, was zusammen immer ein harmonisches und sinnliches Ganzes ergibt. Ihr Buch ist gespickt mit Zitaten von Proust über Mann bis Peter Mayle. Sie erzählt Geschichten rund ums Essen, und gleichzeitig liefert sie 95 Rezepte aus aller Welt, von denen ich mit Sicherheit einige ausprobieren werde.

Diese Rezepte aus aller Welt lassen Urlaube wieder aufleben

Mina Holland reist in ihrem „Kulinarischen Atlas“ von Frankreich über Spanien, Portugal, Italien, Osteuropa, England, Skandinavien, den Nahen Osten, Asien und Afrika bis nach Amerika, Nord und Süd. Beim Schmökern in diesem Appetit anregenden Reiseführer werden Urlaubserinnerungen wach, die ja immer – wie auch Mina Holland betont – mit der Küche der jeweiligen Region verbunden sind. Und mag der Band die Gerichte auch nicht mit optischer Opulenz ins Bild setzen, so ist er doch mit kleinen Zeichnungen und einem fein abgestimmten Farbkonzept sehr schön gestaltet.

Mina Holland: Der kulinarische Atlas. Eine Reise um die Welt in 95 Rezepten. Übersetzung: Katja Hald, Friedrich Pflüger, Heike Schlatterer, Karin Schuler. Atlantik im Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg. 416 Seiten, 35 Euro. 978-3-455-70004-6